Janika Balzer geht unbeirrt ihren Weg: Mit gerade einmal 19 Jahren hat sie einen Platz auf der DFB-Liste und in der Herren-Gruppenliga ergattert. Foto: privat
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Janika Balzer geht unbeirrt ihren Weg: Mit gerade einmal 19 Jahren hat sie einen Platz auf der DFB-Liste und in der Herren-Gruppenliga ergattert.

Mit 19 schon Zweite Liga

Illusionen, Träume, Realität – junge Menschen verlieren sich nicht selten in diesem Wirrwarr. Bei Janika Balzer ist das anders: Illusionen gibt sich die Jung-Schiedsrichterin nicht hin, Träume realisiert sie ganz nebenbei.

Mit gerade einmal 19 Jahren wird die Blankenauerin in der kommenden Saison auf der DFB-Liste stehen – als einzige Schiedsrichterin der Region Fulda. Balzer darf in der zweiten Liga assistieren, zudem pfeift sie dann bereits ihre dritte Saison in der drittklassigen Frauen-Regionalliga. Bei den Herren hat sie ebenfalls einen kometenhaften Aufstieg hingelegt: In der vergangenen Saison der Aufstieg in die Kreisoberliga, nun geht es dank guter Beobachtungen und einem Förderprogramm des Verbandsschiedsrichterausschusses für Schiedsrichterinnen in die Gruppenliga – nur gut drei Jahre nach ihrem ersten Seniorenspiel.

Spricht Balzer über die DFB-Ehren als Zweitliga-Assistentin, strahlt sie über beide Ohren. Stolz ist sie, die Vorfreude gigantisch. „Ziele setzen ist nicht so meins, ich lasse Dinge eher auf mich zukommen und will da, wo ich bin, überzeugen“, sagt sie und schiebt nach: „Auf DFB-Ebene aktiv zu sein, war mein Traum. Und natürlich wäre es schön, sogar irgendwann in der höchsten Spielklasse anzukommen.“ Aber dafür bleibt Zeit, eine Menge. Gerade bei Schiedsrichtern ein nicht unerheblicher Faktor. Schnell gilt man als zu alt, muss Platz für Nachwuchs schaffen, deswegen aus Ligen ausscheiden. Balzer gehört aber zu den ganz jungen auf ihrer Ebene. Kann sich beweisen. Und das will sie. „Es ist ganz wichtig zu wissen, dass ich jetzt nicht jede Saison eine Liga aufsteigen werde, sondern vielleicht einmal drei Jahre benötige, um mich zu beweisen.“ Das gelte für Frauen- wie Herrenbereich.

Bewiesen hat sie sich bei den hessischen Schiedsrichterinnen längst. Nur zwei Assistentinnenplätze waren für die Zweite Liga zu vergeben. Sechs Kandidatinnen gab es. Balzer machte das Rennen, überzeugte in einem transparenten Testverfahren.

Die Schiris sind eine Clique

Da war kein Konkurrenzkampf zu spüren, die Schiedsrichter sind eine Clique – auf Top-Niveau in Hessen und erst recht im eigenen Kreis. Balzer gibt das viel. Die besten Freunde pfeifen. Ihr Vorbild ist nicht etwa Manuel Gräfe oder Bibiana Steinhaus-Webb, sondern mit Sabine Stadler die andere Top-Schiedsrichterin aus dem Kreis Fulda. Ihr eifert sie nach. Sie ist Vorbild und Ansprechpartnerin. Ihre Fußstapfen gilt es auszufüllen – und die sind groß. Stadler hat in der Frauen-Bundesliga assistiert, Herren-Hessenliga gepfiffen. Nun ist die Fuldaerin so etwas wie eine Lehrmeisterin für Balzer, die ihre Persönlichkeit eindrucksvoll entwickelt hat.

Vor dreieinhalb Jahren lud Balzer schon einmal nach Blankenau ein, um sich von dieser Zeitung löchern zu lassen. Da war sie noch schüchtern, beinahe ein Mauerblümchen. Diesmal aber trat eine selbstbewusste Frau auf, die weiß, was sie will – ohne überheblich zu sein. Was sie den Kollegen in der Gruppenliga voraus hat? „Höchstens dass ich eine Frau bin und mit meinem Charme etwas bewirken kann.“ Woran sie arbeiten müsse? „An der Zweikampfbewertung, weil ich nie Fußball gespielt habe und mich deshalb nicht so gut in Situationen hineinversetzen kann.“

Die Schiedsrichterei hat sie reifen lassen. Sie ist gewohnt, mit Druck umzugehn. Das hat sich auf ihren Beruf niedergeschlagen. Eigentlich wollte sie Physiotherapeutin werden, hatte bereits zahlreiche Praktika absolviert. Doch sie wollte mehr Verantwortung. Jetzt ist sie Rettungssanitäterin beim DRK, schon bald will sie Notfallsanitäterin werden. Da kann es um Leben und Tod gehen. Zwar hatte der legendäre englische Trainer Bill Shank-ley einmal gesagt, dass Fußball noch viel ernster sei. Doch Balzer weiß das realistisch einzuschätzen: Fußball ist ihr Leben, viel zu schön als damit Leid und Elend in Verbindung zu bringen.

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