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Mit 70 nicht mehr unter dem Radar

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Von: Steffen Kollmann

Wolfgang Ernst Anzeige Torwarttrainer
Mit diesen handschriftlichen Flugblättern begann Wolfgang Ernsts Reise als mobiler Torwarttrainer, die ihn unter anderem zur SG Barockstadt führte. © privat

Tobias Wolf. Benedikt Kaiser. Christoph Grösch. Eines haben alle gemeinsam: Sie wurden in der Vergangenheit von Wolfgang Ernst trainiert – wie zahlreiche andere Torhüter. Denn der 70-Jährige aus Schrecksbach ist ein Pionier in Sachen Torwarttraining.

„Da muss ich erst 70 Jahre alt werden, um nicht mehr unter dem Radar zu fliegen“, sagt Wolfgang Ernst schmunzelnd. Nach langer Zeit ist er mal wieder zu Gast in der Fuldaer Johannisau. In erster Linie, um Sven Hoffmeister, den Torwarttrainer der Mainzer U23, aber auch andere ehemalige Weggefährten wie Sedat Gören und Witold Sabela mal wieder zu sehen. Wie Hoffmeister seine Keeper vor dem Spiel warmmacht, ist für Ernst interessanter als das Regionalliga-Spiel der SG Barockstadt. Zur Halbzeit macht er sich bereits wieder auf den Weg zurück ins fast eine Stunde entfernte Schrecksbach-Röllshausen in der Schwalm.

„11Freunde“ widmet Ernst vierseitiges Porträt

Für das Gespräch mit torgranate.de erscheint Ernst schon anderthalb Stunden vor Anpfiff im Fuldaer Stadion. Termine mit der Presse sind inzwischen nicht mehr neu für den 70-Jährigen. Das in ganz Deutschland vertriebene Magazin für Fußballkultur, die „11Freunde“, haben Ernst in ihrer neuesten Ausgabe ein vierseitiges Porträt gewidmet. Denn dass Wolfgang Ernst ein ganz besonderer Torwarttrainer ist, wird schon früh im Gespräch deutlich.

Wolfgang Ernst Torwarttrainer
Wolfgang Ernst nahm sich im Vorfeld der Partie zwischen der SG Barockstadt und dem FSV Mainz 05 Zeit für ein Gespräch. © Johannes Götze

1996 beginnt seine Mission, Torhüter überall besser machen zu wollen – mit einer handschriftlichen Annonce, in der er angibt, Torwarttraining „fast umsonst“ anzubieten. Laut eigener Aussage 400 Torhüter – vermutlich aber noch viele mehr – hat Ernst seitdem trainiert, sei es individuell oder als Teil des Trainerteams. Der frühere Regionalligatorwart, der zweimal den Hessenpokal gewann und mehrmals im DFB-Pokal – unter anderem 1985 gegen Borussia Dortmund (2:9) – auflief, kam selbst nie in den Genuss eines Torwarttrainings, weiß aber ganz genau, wo er den Hebel anzusetzen hat.

„Torwart muss immer der Beste und Gescheiteste sein“

„Aus meiner Perspektive muss der Torwart immer der Beste in der Mannschaft sein – aber auch der Gescheiteste, zumindest was das Fußballwissen angeht“, sagt Ernst, der einst in Marburg Sport studierte und sich mit seiner mehr als 25-jährigen Erfahrung immer weiterbilden konnte. Auch durch seine Zeit in Fulda. Von 2002 bis 2004 ist Ernst Teil des Trainerstabs von Borussia Fulda, arbeitet anfangs mit Profis aus dem Regionalliga-Team zusammen. Später, 2016, heuert er als Torwarttrainer des TSV Lehnerz an, trainiert dann noch bis zur ersten coronabedingten Pause die Keeper der SG Barockstadt.

Bis heute ist Ernst aktiv – wenngleich es statt vier, fünf Einheiten in jeder Woche nur noch circa fünf im Monat gibt. „Meine Angebote stehen immer noch“, betont der mobile Torwarttrainer, der für seine Schützlinge durch ganz Hessen reist. 70 Jahre und kein bisschen müde – und deshalb verdientermaßen nicht mehr unter dem Radar fliegend.

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