Die Mannschaft von Germania Fulda von 1949, aufgenommen auf dem Platz an der „Bleiche“: Neben dem Schiedsrichter (stehend, von links) sind Willi Bing, Oskar Sauer, Franz Gutjahr, Hans Damm, Willi Leubecher, Erich Helfrich, Derbort, Franz Klug, Obmann Richard Wehner sowie Leo Bau (hockend, von links), Edi Meßmer und Hans Leubecher zu sehen. Fotos: Verein
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Die Mannschaft von Germania Fulda von 1949, aufgenommen auf dem Platz an der „Bleiche“: Neben dem Schiedsrichter (stehend, von links) sind Willi Bing, Oskar Sauer, Franz Gutjahr, Hans Damm, Willi Leubecher, Erich Helfrich, Derbort, Franz Klug, Obmann Richard Wehner sowie Leo Bau (hockend, von links), Edi Meßmer und Hans Leubecher zu sehen.

Mitgliedsbeitrag: 15 Millionen Mark

Nach einigen Freundschaftsspielen in Folge der Vereinsgründung folgte für Germania Fulda 1910 der Beitritt zum Westdeutschen Fußball-Verband. Von nun an ging es für die Germania um Punkte.

Der Verein war auf Anhieb erfolgreich: 1911 und 1912 wurden Meisterschaften gefeiert. Gegner wie der SV Alsfeld, Hessen Hersfeld oder der VfL Lauterbach wurden bezwungen. Doch ein Aufstieg folgte nicht, denn damals war das nicht möglich.

Nach der Einstellung des Spielbetriebs während des Ersten Weltkriegs gehörte der Club der eingleisigen Gauliga Hessen an – der höchsten deutschen Spielklasse. Derbys gegen Borussia standen auf der Tagesordnung, in denen Spieler wie Emil Noll den Stadtrivalen im Heimspiel mit 5:0 schlugen. Es war die Zeit der ersten Währungsreform: Ein Stehplatz kostete 200 Mark Eintritt, ein Tribünenplatz gar 300 Mark, die Miete für das erste Quartal 1923 betrug unglaubliche 87?000 Mark. Die Höchstgrenze des Mitgliedsbeitrags betrug im Oktober 1923 15 Millionen Mark pro Mitglied und sank nach der Reform im November 1923 auf 40 Pfennige.

Einer der begnadetsten Fußballer der Vereinsgeschichte war Karl Kalb, der Vater von Bert und Rolf Kalb, die später ebenfalls das Germanen-Trikot überstreiften. Karl Kalb spielte ab Mitte der 1920er-Jahre und galt als herausragender Techniker. Eine Anekdote zu ihm: Da der Platz oft mit Wasser voll lief und sich viele Pfützen bildeten, lief der Dribbelkünstler immer gerne um die Wasserlachen herum, statt den direkten Weg zum Tor zu suchen. Das veranlasste einst einen älteren Mitspieler während eines Spiels lautstark zu sagen: „Junge, du darfst das Trikot gerne dreckig machen.“

Immer wieder kreuzten sich in diesen Jahren zwischen den beiden Weltkriegen die Klingen von Germania und Borussia auf höchster Ebene. Spieler wie Emil Noll prägten die Geschichte des FSV Germania zu dieser Zeit entscheidend.

1930 waren die Wycombe Wanderers aus England zu Gast. 3000 Zuschauer sahen, wie die Gäste Germania mit 7:0 vom Feld fegten. Dafür blieben einige Engländer gleich in Osthessen, spielten knapp zwei Jahre für die Germanen, ehe die Armut in ganz Deutschland immer größer wurde.

Überragend waren die Spielzeiten von 1934 bis 1936, als der Club in der höchsten hessischen Spielklasse jeweils den fünften Platz belegte. Am 18. August 1935 nahm der FSV sogar am DFB-Pokal teil, unterlag aber der Spvgg. Fürth mit 1:5. Bestes Beispiel für die Euphorie war eine Partie bei Hessen Hersfeld, die Germania vor 2000 Zuschauern mit 0:1 verlor. Aber alleine die Tatsache, dass mehr als 400 Germanen (und das zur damaligen Zeit) die Fahrt nach Hersfeld mitmachten zeigte, wie hoch die Stellenwert des Vereins in Fulda längst war.

Eine interessante Geschichte trug sich 1936 zu, als die Nazis längst auf dem Vormarsch waren. Ein SA-Sturmführer stellte sich auf der Jahreshauptversammlung als Vorsitzender zur Wahl. Mutig stellte sich ihm Magnus Hartmann entgegen. Was sich anderswo nur wenige getraut hätten, wagten die Germanen-Mitglieder. Sie fügten dem Sturmführer eine bitterböse Niederlage zu und wählten Hartmann zum Vorsitzenden.

Maier stand auf Sepp Herbergers Liste

Die Germanen bekamen den Rufnamen „Kohleschipper“, da die Kohlenhandlung Willy Strott viele Jahrzehnte für die Club tätig war.

Nach langer Pause durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Verein am 13. Oktober 1945 neu gegründet und ging zunächst für eine Saison als SG Germania Fulda an den Start. Allerdings ohne Emil Maier, der sich dem Erstligisten Kickers Offenbach (Oberliga Süd) anschloss und dort zunächst für zwei Jahre spielte. Dann kehrte Maier trotz großen Erfolgs für eine Spielzeit (1948/1949) zu Germania zurück, ehe er wieder an den Bieberer Berg wechselte. Hier wurde er mit den Kickers souverän Meister vor dem VfR Mannheim und holte sich mit seinen 19 Treffern die Torjägerkrone der Oberliga Süd. Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft schieden Maier und die Kickers ausgerechnet gegen Ligarivale VfR Mannheim (1:2) aus.

Bis 1952 spielte Maier für den OFC, später wechselte er in den Norden zu Concordia Hamburg und Holstein Kiel. Im Anschluss an seine aktive Laufbahn wurde Maier Trainer, kehrte in die Region Fulda zurück und coachte unter anderen den SV Hofbieber. Sogar Nationaltrainer Sepp Herberger hatte den Jungen zwischenzeitlich auf seiner Liste.
Eine der wichtigen Personen der Nachkriegsjahre war Vater Willi Bing. Er spielte bis 1950, war dann Spielobmann, viele Jahre Mitglied im Spielausschuss, von 1961 bis 1968 Jugendleiter und 17 Jahre Obmann bei den Alten Herren. Später wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.

Einer der bekanntesten Trainer war Fritz Teufel, der vorher mit dem VfR Mannheim Deutscher Meister geworden war und Anfang der 1950er-Jahre zu den Germanen kam, die zu dieser Zeit an der „Bleiche“ beheimatet waren. Teufels Eigenart: Zu den Auswärtsspielen fuhr Germania damals schon mit dem Bus. Kurz vor dem Ziel mussten alle Spieler raus aus dem Bus, der langsam weiter fuhr. Die Spieler liefen dem Bus zum Warmmachen hinterher.

Unter Teufel qualifizierten sich Spieler wie Torwart Karl Flinner, Stopper Hugo Zaczyk, Helmut Kreuzberg, Franz Klug und Stürmer Edi Zaczyk für die Hessenliga, die damals I. Amateurliga hieß. Hier gab es 1951/1952 die Siege gegen den FV Horas (1:0, 5:4) und die Derbys gegen Borussia Fulda. Wie es zu diesem Aufstieg kam, lesen Sie im nächsten Teil unserer Serie.

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