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Ohne Trainer-Pass geht nichts mehr – oder doch?

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Von: Tobias Konrad

Trainer-Pass HFV Symbol
Der Trainer-Pass soll künftig in Hessen sichtbar machen, wer für das jeweilige Team zuständig ist. Fragen wirft der Verband bei der Verbreitung des Passes auf. © Tobias Konrad

Der Hessische Fußball-Verband (HFV) setzt auf ein neues Erkennungsmerkmal. Mit Beginn dieser Saison kommt der Trainer-Pass zum Einsatz. Ein für viele Trainer noch gänzlich unbekanntes Element. Doch kommt dieser überhaupt zum Einsatz?

Ein genauer Betrachter des Handballsports hat wohl umgehend verstanden, worum es beim Trainer-Pass geht. Denn beim Handball ist es gang und gäbe, dass Trainer ihre Berechtigung um den Hals tragen und somit direkt als Verantwortlicher von Schiedsrichtern und Co. zu identifizieren sind. Nun also auch beim Fußball, sagt der HFV. Im Verbandsvorstand entstand 2019 die Grünberger Erklärung als Reaktion auf die aufgekommene Gewalt auf Hessens Sportplätzen.

Der Trainer-Pass soll dazu beitragen, die jeweilige Kontaktperson, also den Trainer einer Mannschaft, schnellstens zu identifizieren. Deshalb sollen die Trainer beim Betreten des Sportgeländes den Pass gut sichtbar tragen und als Ansprechpartner dienen. Vor, während und kurz nach dem Spiel. So weit, so gut. Doch was, wenn ein Trainer seiner Pflicht nicht nachkommt? Dann sind die Schiedsrichter berechtigt, den Trainer hinter die Barriere zu verbannen. Für Spielertrainer gilt indes, dass sie während des Spiels freilich den Pass ablegen können – sofern sie am Platz stehen. Beim Verlassen soll jener Ausweis aber übergestreift werden. Der personenbezogene Pass muss fortan einmal jährlich durch eine Schulung aufgefrischt werden.

Tragen des Trainer-Passes ist Pflicht für die Trainer, nicht aber für Betreuer

Nach einem Pilotprojekt im Kreis Offenbach, das laut HFV „positive Erfahrungen“ und „einen signifikanten Rückgang von Sportgerichtsurteilen, besonders in den unteren Ligen“ hervorbrachte, soll nun in ganz Hessen das Erkennungsmerkmal zum Einsatz kommen. Deshalb führen die Kreise derzeit Schulungen durch, Lauterbach/Hünfeld war in der vergangenen Woche einer der ersten. Kreisfußballwart Erhard Zink (Herbstein) lud Trainer und Mannschaftsverantwortliche der Vereine nach Michelsrombach ein. Rund 40 Teilnehmer kamen, ein Großteil derer quasi umsonst. Denn im Laufe der Schulung machte Herbert Seitz (Asbach), der vorab in Hersfeld/Rotenburg schulte, deutlich, dass lediglich Trainer derzeit verpflichtet sind, den Pass zu tragen. Betreuer können, müssen aber keinen Pass anhaben. Was im Umkehrschluss für reichlich Unmut sorgte, machten sich viele umsonst auf den Weg nach Michelsrombach.

Die Regelung gilt ab sofort bei den Senioren und für alle aktiven Trainer. Mit einer Strafe bei Nichteinhalten müssen die Vereine und Trainer momentan nicht rechnen. Da der HFV bei der Organisation schlampte und zeitlich hinterher hängt, sollen erst bis zum Winter alle Trainer die Schulung erhalten. Von einem Übergangsjahr sprachen Zink und Seitz. Quasi ein Freifahrtschein für alle Trainer in der Spielzeit 2022/2023.

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