Gerd Schugard stattete der Torgranate-Redaktion gestern einen Besuch ab. Foto: Steffen Kollmann
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Gerd Schugard stattete der Torgranate-Redaktion gestern einen Besuch ab.

"Opferrolle? Im Gegenteil!"

Und jetzt? Das Ultimatum, das der Hessische Fußball-Verband (HFV) seinen Präsidiumsmitgliedern Silke Sinning und Ralf Viktora gesetzt hatte, lief am Montag ab. Offensichtlich hat das Duo die Frist untätig verstreichen lassen. Der Verband hält sich bislang in Deckung. Stellung bezieht allerdings Gerd Schugard (71), der einer Einladung von torgranate.

de folgte. Der Dipperzer ist seit 2004 Verbandsschiedsrichterobmann und von Amts wegen Teil des HFV-Präsidiums, das in den vergangenen Tagen bundesweit Schlagzeilen machte.

Herr Schugard, was ging in Ihnen vor, als Sie von der Offenlegung der verbandsinternen Mails Kenntnis nahmen?

Meine Freude hielt sich aus verschiedenen Gründen in Grenzen. Zum einen ist ein erheblicher Imageschaden am Verband entstanden, zum anderen wurde die Öffentlichkeit aus meiner Sicht nicht objektiv informiert.

Was wäre Ihrer Meinung nach denn eine objektive Darstellung gewesen?

Mehr Hintergrundwissen hätte den Verband in einem deutlich besseren Licht dastehen lassen. Man sollte wissen, dass weder Silke Sinning noch Ralf Viktora in den verbandsinternen Sitzungen auch nur ein einziges Mal gegen Bernd Neuendorf als DFB-Kandidat oder Dr. Rainer Koch als Vizepräsidentschaftskandidat für den Süddeutschen Fußball-Verband gestimmt haben. Sie haben sich maximal enthalten. Hätten sie gegen Neuendorf oder Koch gestimmt, wäre das legitim gewesen, und alle Beteiligten hätten gewusst, dass beide vielleicht einen anderen Weg gehen möchten.

Aber fanden diese Abstimmungen nicht bereits statt, bevor Sinning und Viktora Peter Peters ihre Zusage gaben, in seinem Team mitzumachen, und somit gegen die Interessen des eigenen Verbandes zu handeln, der Peters’ Gegenkandidat Bernd Neuendorf unterstützt?

Das stimmt. Trotzdem haben beide zuvor die Entscheidungen rund um die Person Neuendorf mitgetragen. Weil sie später ausgeschert sind, hat dies für den HFVeinen Imageschaden verursacht, der zur Isolation im Süddeutschen Verband und beim DFB führt, wodurch der HFV an Glaubwürdigkeit bei anderen Verbänden verliert. Es ist das unbestrittene Recht, für Ämter zu kandidieren, nur die Vorgehensweise war nicht so, dass Viktora und Sinning sich nun in der Opferrolle rühmen dürfen. Im Gegenteil.

Also unterstützen Sie das Ultimatum, bei dem sich das Duo für den HFV oder für Peters entscheiden sollte?

Das anwesende Präsidium hat hierfür sein Okay erteilt. Nicht nur Präsident Stefan Reuß. Stefan Reuß pflegte zu beiden Personen lange Zeit ein enges Verhältnis. Er hat mehrfach versucht, ihnen darzustellen, was ihre Kandidatur beim DFB für Konsequenzen für den HFV nach sich zöge. Letztlich hat das Präsidium entschieden, beiden eine Frist zu setzen. Denn es ist doch offensichtlich, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Sinning und Viktora im HFV kaum noch möglich ist. Gleiches gilt für den Süddeutschen Fußball-Verband, dessen Präsident Dr. Rainer Koch ist, gegen den sich die dortigen Präsidiumsmitglieder Sinning und Viktora nun aber in mehreren Interviews deutlich positioniert haben.

Nun ließen beide das Ultimatum verstreichen. Der Präsident ist in Zugzwang.

Nicht der Präsident allein, sondern das Präsidium, das für die jüngst verbreiteten E-Mails verantwortlich ist. Wie gesagt: Die Zusammenarbeit wird sich in Zukunft schwierig gestalten. Vielleicht ist ein außerordentlicher Verbandstag vonnöten, um endgültige Entscheidungen durch die Delegierten herbeizuführen. Aber das ist rein spekulativ. Die Verbandsgremien haben darüber zu entscheiden.

Stellt sich die Gemengelage so dar, hätte der Verband mit mehr Transparenz nicht sogar Schaden abwenden können?

Ich fand den eingeschlagenen Weg zunächst nicht verkehrt. Im Nachhinein betrachtet, hätte der Verband vielleicht kommunikativer auftreten können.

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