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Personalsorgen überall: Die Einstellung zum Fußball hat sich geändert

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Von: Steffen Kollmann

TSV Pilgerzell (blau) 3:2 - Niklas Erb (TSV Pilgerzell - blau) - Florian Helfrich
Einen ständig wechselnden Kader gibt es nicht nur beim TSV Pilgerzell um Niklas Erb (rechts) und Florian Helfricht. Deshalb geht Trainer Rolf Gollin nun neue Wege bei der Nominierung des Aufgebots. © Charlie Rolff

Personalprobleme hier, Personalprobleme da. Gespräche mit Trainern, in denen es nicht um dieses Thema geht, gibt es kaum noch. Verletzungsbedingte Ausfälle stecken aber immer weniger dahinter – vielmehr hat sich bei vielen Spielern die Einstellung zum Fußball verändert.

Bei Rolf Gollin, Trainer von Mitte-Kreisoberligist TSV Pilgerzell, ist das Fass vergangene Woche übergelaufen. Statt wie üblich eine Kadernominierung in die WhatsApp-Gruppe der Mannschaft zu stellen, gab es vor dem Doppelspieltag die Botschaft an die rund 20 Spieler: Jeder, der Lust und Zeit hat, soll zum Spiel kommen und die Schuhe schnüren. „Es gab schon Jahre, wo ich deutlich mehr Verletzte hatte, aber so extrem war es noch nie. Du würfelst vor jedem Spiel. Dass mal eine eingespielte Mannschaft auf dem Platz steht, findet gar nicht statt“, sagt Gollin.

Die Einstellung zum Fußball hat sich geändert: Mehr Absagen

Der erfahrene Trainer hat eine bedenkliche Tendenz festgestellt: „Es gibt immer noch die Spieler, die super vorbildlich sind und fast um Erlaubnis fragen, wenn sie mal in den Urlaub fahren möchten. Und dann gibt es die, die ständig unterwegs sind. Sei es durch Urlaub oder Hochzeiten, was durch Corona in den vergangenen Jahren nur eingeschränkt möglich war. Aber selbst zum Junggesellenabschied muss es nach Amsterdam gehen, weil alles spektakulärer sein soll als früher.“

Die Botschaft des Trainers kam beim TSV jedenfalls an: Der Kader war gegen Sickels und Margretenhaun breit gefüllt, die Ausbeute mit vier Punkten zufriedenstellend. Mit zwei Spielen weniger als manche Konkurrenten befindet sich Pilgerzell in Reichweite zu Rang zwei. Solch ein Ziel auszugeben, sei aufgrund des ständig wechselnden Kaders aber kaum möglich. „Das tut mir vor allem für die jungen, ambitionierten Spieler leid. So ein bisschen was muss für den Fußball übrig bleiben, allein im Sinne des Teamgedanken“, fordert Gollin.

SG Hattenhof startet gegen SG Magdlos zu zehnt

Ähnliche Probleme wie der 53-Jährige hat Süd-Kreisoberligist SG Hattenhof: Mit dem Tiefpunkt am vergangenen Sonntag, dass die Partie des Abstiegskandidaten in Magdlos (2:7) zu zehnt begonnen wurde. „Da sind uns kurzfristig noch zwei Spieler morgens ausgefallen. Unser Kader ist mit 16, 17 Spielern ohnehin dünn, so dass wir mit Leuten aus den Alten Herren auffüllen mussten“, erläutert Vorsitzender Torsten Malkmus.

Da muss man sich als Verein die Frage stellen, ob man eine Liga drunter nicht vielleicht besser aufgehoben wäre.

Torsten Malkmus

Bei der SGH hätten eine Mischung aus Verletzungs- und Krankheitsgründen sowie privat bedingte Ausfälle zur Misere geführt. „Diese Fußballverrückten, die ihrem Hobby alles unterordnen, gibt es kaum noch“, sagt Malkmus und berichtet von Spielern, die schon zwei- oder dreimal in der Saison in den Urlaub gefahren sind und eine „Komm‘ ich heut‘ nicht, komm‘ ich morgen“-Einstellung mitbringen. „Da erklärst du vor der Saison, dass der Kader dünn ist und du jeden benötigst, und stehst dann trotzdem vor solchen Problemen. Da muss man sich als Verein die Frage stellen, ob man eine Liga drunter nicht vielleicht besser aufgehoben wäre.“

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