Am Freitagabend wird Markus Pflanz als Hauptverantwortlicher des KV Oostende an der Seitenlinie stehen – wie es danach weitergeht, scheint völlig offen. Foto: Charlie Rolff
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Am Freitagabend wird Markus Pflanz als Hauptverantwortlicher des KV Oostende an der Seitenlinie stehen – wie es danach weitergeht, scheint völlig offen.

Pflanz: "Heute weißt du nicht, was morgen ist"

Markus Pflanz steht am Freitagabend vor dem wichtigsten Spiel seiner Trainerlaufbahn. Der Langenschwärzer wurde beim belgischen Erstligisten KV Oostende zum Interimstrainer befördert und empfängt um 20.45 Uhr Royal Antwerpen.

Turbulente Stunden liegen hinter Markus Pflanz. Vor wenigen Tagen bereitete sich der 46-Jährige noch als Co-Trainer von Alexander Blessin – der Schwabe wurde Belgiens Trainer des Jahres 2021 – auf das erste Ligaspiel des neuen Jahres vor. Doch Mitte der Woche ging es dann ganz schnell: Am späten Mittwochabend stellte der italienische Erstligist CFC Genua – der langjährige Bundesligatrainer Bruno Labbadia war zuvor Topkandidat auf den Trainerposten – Blessin als neuen Chefcoach vor. Im selben Atemzug gab der KV Oostende bekannt, dass Pflanz den 16. der belgischen Liga bis auf Weiteres übernehmen wird.

„Ich habe schon bei Spielern gesehen, dass sie am einen Tag noch da und am anderen Tag schon weg waren. Bei Alex war das alles aber noch ein bisschen extremer“, lässt Pflanz die vergangenen Tage Revue passieren. Innerhalb von 24 Stunden sei alles ganz schnell gegangen, bis hin zu Blessins Abflug nach Italien und Pflanz‘ Beförderung. „Schlussendlich war es die einzig logische Lösung, dass ich erst einmal übernehme. Wir haben für das Spiel gegen Antwerpen ja schon alles durchgeplant“, sagt Pflanz.

"Hätte es mir nie träumen lassen"

Was es bedeutet, in vorderster Front zu stehen, hat der 46-Jährige schon früh erlebt. Am Donnerstag stand ein erster Fernsehtermin auf dem Programm, am Freitag folgt vor dem Spiel die erste Pressekonferenz. Die Aufgabe könnte zudem um einiges leichter sein. Gegner Royal Antwerpen ist Tabellendritter und spielte in der laufenden Europa-League-Saison bereits gegen Eintracht Frankfurt (0:1, 2:2). Und obwohl das Spiel coronabedingt ohne Zuschauer stattfinden wird, ist die Vorfreude auf sein erstes Spiel als Profitrainer groß: „Vor zwei oder drei Jahren hätte ich es mir nicht träumen lassen, mal als Hauptverantwortlicher bei einem Profispiel an der Seitenlinie zu stehen. Das kann mir keiner nehmen“, zeigt sich der frühere Trainer des VfL Eiterfeld, der SG Aulatal und des TSV Künzell, der im Sommer 2020 den Schritt nach Oostende gegangen ist, stolz.

Doch so riesig die Freude über die kurzfristige Beförderung ist: Genauso groß ist die Frage, wie es mit Pflanz in Zukunft weiter geht. Da der UEFA-A-Lizenz-Inhaber nicht über die nötige Pro-Lizenz verfügt, ist die Zeit als Cheftrainer „definitiv begrenzt“. Das Spiel gegen Antwerpen könnte das einzige sein, vielleicht kommt am Dienstag bei KAA Gent ein zweites hinzu. „Danach ist alles möglich, alles offen“, betont der frühere Finanzamt-Mitarbeiter.

Die zu klärende Fragen sind: Würde Pflanz unter dem neuen Oostender Cheftrainer einen Platz finden? Sofern der Neue seine eigenen Assistenten mitbringt: Was passiert mit Pflanz‘ laufendem Vertrag bis Sommer? Oder wird Blessin seinen Co-Trainer womöglich mit nach Genua nehmen? „Ich kann mich für andere gut freuen, und deshalb bin ich sehr glücklich, dass Alex diese Chance bekommt. Aber natürlich muss ich mir selbst Gedanken machen. Das Business bringt es mit sich, dass du heute nicht weißt, was morgen ist. In den vergangenen Tagen war nicht viel Zeit, aber Alex und ich werden uns definitiv noch austauschen“, erklärt Pflanz.

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