Der Steinhäuser Markus Unger ist seit Sommer Trainer von Regionalligist Borussia Hildesheim. Foto: Tobias Konrad
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Der Steinhäuser Markus Unger ist seit Sommer Trainer von Regionalligist Borussia Hildesheim.

Von Hildesheim zurück in den Profifußball

Im Sommer hat Markus Unger erstmals das Traineramt einer ersten Seniorenmannschaft übernommen. Eine klasse Halbserie liegt hinter dem Nord-Regionalligisten Borussia Hildesheim, so dass der Vertrag des Steinhäusers bis 2024 verlängert wurde. Dabei strebt der 40-Jährige eigentlich zurück in den Profifußball.

Fünf der jüngsten sieben Spiele gewonnen, Halbfinaleinzug im Niedersachsenpokal, Platz drei in der Süd-Gruppe der Regionalliga Nord – kein Wunder, dass Markus Unger gut gelaunt zum Redaktionsgespräch erscheint. Eine richtig gute Halbserie liegt hinter ihm, das Vereinsumfeld spricht gar von einem der größten Erfolge der jüngeren Vereinsgeschichte. Denn die einstige Fahrstuhlmannschaft zwischen Ober- und Regionalliga hat erstmals überhaupt schon im Winter den Klassenerhalt eingetütet. Der Modus macht es möglich: Genau wie in der Hessenliga wird die Klasse nach der Winterpause in Auf- und Abstiegsrunde geteilt.

Aufsteiger Hildesheim darf sich dabei mit den besten Teams in den Play-offs messen. Das Ziel, nichts mit den Abstiegsrängen zu tun zu haben, ist schon jetzt erreicht. „Intern haben wir vor der Saison über Platz fünf gesprochen, der zur Aufstiegsrunde berechtigt. Wir wussten, dass Potenzial da ist, andere Vereine aber über andere Möglichkeiten verfügen“, sagt Unger. Denn seine Mannschaft agiert – anders als Konkurrenten wie Lübeck, Bremen II und Hamburg II – unter Amateur-Bedingungen. Viermal die Woche wird abends trainiert, die meisten Spieler gehen einem Beruf nach.

Anders als der Trainer. Als Spieler geht der Steinhäuser seine ersten Schritte bei Borussia Fulda, Schweinfurt und Buchonia Flieden, kämpft sich über Stationen in Emden, Reutlingen, Siegen und Kassel zum Profi. Die Krönung: Am Ende seiner Karriere wechselt Unger nach Braunschweig, wird dort Drittligameister und darf noch viermal in der zweiten Liga die Schuhe schnüren. Gerne hätte er noch ein paar mehr Spiele in dieser Liga in seiner Vita stehen, zumal es nur Kurzeinsätze waren. Viele besondere Mitspieler, allen voran Gino Hilfenhaus aus Borussia-Zeiten, bleiben in Erinnerung. Genauso wie prägende Trainer und besondere Spiele, beispielsweise am vollen Millerntor des FC St. Pauli.

Bittere Entlassungen in Braunschweig und Wolfsburg

In Niedersachsen wird Unger heimisch: Bei der Eintracht beendet er seine Karriere, geht im Nachwuchs und der Reserve seine ersten Schritte im Trainergeschäft. Im Oktober 2018 bietet sich dem A-Lizenz-Inhaber dann die Möglichkeit, Co-Trainer der Drittliga-Mannschaft zu werden. Unter Cheftrainer Andre Schubert gelingt Braunschweig mit dem Klassenerhalt ein kleines Wunder – ein Abstieg in die Regionalliga, die den deutschen Meister von 1967 vor viele Fragezeichen gestellt hätte, wurde trotz zwischenzeitlichen neun Punkten Rückstand abgewendet. Am letzten Spieltag reichte ein 1:1 gegen Energie Cottbus. Emotionen pur im Eintracht-Stadion, die Lausitzer mussten dagegen den Gang in die Viertklassigkeit antreten.

Doch so unvergessen dieser 18. Mai 2019 ist, umso bitterer war der 18. November. Unter Schubert-Nachfolger Christian Flüthmann startet der BTSV super, nach einer Ergebnisdelle entscheidet sich der Verein aber für einen Trainerwechsel. Auch Unger muss gehen, nach neuneinhalb Jahren Eintracht. „Das kam für uns damals aus dem Nichts. Diese Erfahrung tut weh, war aber gut“, sieht es der 40-Jährige mit Abstand gelassener. Zur neuen Saison wird er Co-Trainer bei der U23 des VfL Wolfsburg. Alles ein bisschen größer, professioneller. Aber nur neun Spiele lang. Dann kommt die Corona-Unterbrechung. Und der VfL meldet seine zweite Mannschaft vom Spielbetrieb ab.

Stattdessen geht die Tür in Hildesheim auf, Unger findet schnell eine neue sportliche Heimat – mit seiner Frau und den zwei Kindern wohnt er aber in Wolfsburg. Die Schattenseiten des Profigeschäfts hat der Steinhäuser kennengelernt, dennoch will er den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Spiele wie im Landespokal-Viertelfinale gegen Eintracht Braunschweig – seinen Ex-Verein besiegte er im Elfmeterschießen – bestätigen ihn, dass der Wechsel nach Hildesheim richtig war. In der ersten Reihe fühlt er sich pudelwohl. „Es ist überragend. Ich habe extrem viel Spaß und ein super Team um mich herum.“ Kein Wunder, dass Unger – der sich als kommunikativen Trainer sieht, der fußballerisch unberechenbar agieren möchte – seinen Vertrag bis 2024 verlängert hat. Der Ex-Borusse, der über die Weihnachtstage auf Heimatbesuch in Fulda war, weiß allerdings, dass für den Verein derzeit nicht viel mehr als die Etablierung in der Regionalliga drin ist. Trotzdem sagt er: „Der Plan ist es schon, irgendwann in den Profifußball zurückzukehren.“

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