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"Der Trainer ist komplett authentisch"

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Als Edeljoker ist Louis Schaub ein wichtiger Eckpfeiler beim 1. FC Köln. Foto: imago images/Michael Weber
Als Edeljoker ist Louis Schaub ein wichtiger Eckpfeiler beim 1. FC Köln. © imago images/Michael Weber

Der 1. FC Köln hatte vor wenigen Monaten den Fall in die 2. Liga gerade so abwenden können. Nun begeistert der "Effzeh" mit Powerfußball und erst drei Niederlagen. Mit dabei ist der in Fulda geborene österreichische Nationalspieler Louis Schaub (26). Er spricht im Interview über Kölns Kult-Trainer Steffen Baumgart, seine Rolle im Team und die Aussichten Österreichs auf eine WM-Teilnahme.

Louis, schon im Training wird offensichtlich, dass das Team derzeit Spaß hat.

Die Stimmung ist schon seit Beginn der Vorbereitung richtig gut. Wir trainieren zwar sehr intensiv, aber es ist immer wieder Spaß dabei. Und in den Spielen spiegelt sich wider, wie wir als Team agieren, füreinander arbeiten.

Woran liegt das?

Steffen Baumgart brachte im Sommer als neuer Trainer eine sehr gute Spielphilosophie mit, die richtig gut zum Verein passt. Wir Spieler haben seine Idee sofort angenommen und das in den Spielen unter Beweis gestellt. Man sieht, dass wir uns auf einem sehr guten Weg befinden, wenngleich noch Potenzial nach oben ist.

Sie sprechen Steffen Baumgart an. Mit seiner unkonventionellen Art hat er ligaweit einen riesigen Hype ausgelöst. Nimmt das Team diesen wahr?

Louis Schaub (links) stand Torgranate-Redakteur Johannes Götze im Kölner Geißbockheim Rede und Antwort. Foto: Frederic Latz
Louis Schaub (links) stand Torgranate-Redakteur Johannes Götze im Kölner Geißbockheim Rede und Antwort. © Frederic Latz

Na klar. Ich glaube, er hat sich das erarbeitet. Wenn man unser Spiel mit der vergangenen Saison vergleicht, wird offensichtlich, dass wir ganz anders auftreten. Und er lebt das 90 Minuten an der Seitenlinie vor. Im Moment läuft es sehr gut – und er hat einen großen Anteil.

Nimmt er mit seiner Art sogar Druck vom Team, weil sich viel auf ihn fokussiert?

Der Effzeh ist ein Club, der nicht nur in der Stadt sehr polarisiert. Vielleicht ist es schon so, dass viele Augen auf ihn gerichtet sind und er damit den Spielern etwas den Druck nimmt. Aber am Ende müssen die Spieler Leistung bringen und für die Punkte sorgen.

Ist er intern anders als in seiner Außendarstellung?

Ich finde, dass er komplett authentisch ist. Er verstellt sich weder in der Öffentlichkeit noch bei uns in der Kabine oder in den Besprechungen.

Sie sind der Edeljoker des Teams. Zweimal nicht zum Einsatz gekommen, aber stets eingewechselt. Wie sehen Sie Ihre Rolle?

Wenn ich meine Einsätze bekomme, versuche ich der Mannschaft zu helfen. Ihr das zu geben, was sie jetzt gerade braucht – und wenn es nur fünf Minuten sind. Ich fühle, dass ich zur Mannschaft gehöre und sehr nahe dran bin, mal von Anfang zu spielen.

Wie sehr beschäftigt Sie die Situation, aktuell meist der zwölfte Mann zu sein?

Gar nicht. Klar würde ich gerne jedes Spiel von Anfang spielen, sonst hätte ich mir den falschen Beruf ausgewählt. Aber in einem Profikader stehen 20 bis 25 Spieler – und es spielen nur 11. Ich kann nur ständig versuchen, dem Trainer zu zeigen: Hey, ich bin bereit.

Heute geht es gegen Augsburg. Ein Pflichtsieg?

Von außen vielleicht. Der Gegner wird es uns nicht einfach machen. Aber klar: Gerade in den Heimspielen wollen wir unsere Punkte holen. Kommen wir von Anfang gut ins Spiel, dann stehen die Chancen gut, dass die Punkte in Köln bleiben.

Im Juni spielten Sie bei der EM. Eine schöne Zeit?

Das war sicherlich das größte Highlight meiner bisherigen Laufbahn. Ich bin unfassbar stolz darauf, dass ich bei so einem Highlight Österreich vertreten durfte. Nur eine WM wäre noch größer.

Die Chance ist da: Im März stehen die Play-offs an. Gelingt ein Sieg in Wales, stünde ein Endspiel um das WM-Ticket in Wien gegen Schottland oder die Ukraine an.

Gerade in Wales – mit diesen verrückten Fans – steht uns direkt eine große Aufgabe bevor. Aber wir wollen unbedingt das Endspiel in Wien. Über eine WM geht nichts drüber.

Zurück nach Köln. Die Stadt ist fußballverrückt. Wie oft werden Sie im Alltag angesprochen?

Kaum. Aber selbst wenn jetzt kein Corona wäre, träfe man mich kaum in einem Restaurant, sondern eher mal auf dem Spielplatz oder auf dem Fahrrad quer durch die Stadt.

Oder auf dem Weg in die Kita?

Das wäre gut möglich. Zu meiner Routine gehört, dass ich morgens mit meiner Familie aufstehe, Nino in den Kindergarten bringe und nach dem Ende des Trainingstages wieder abhole.

Zur Person

Louis Schaub hat ein gutes Jahr hinter sich: Mit dem FC Luzern gewann er im Sommer den Schweizer Pokal, spielte mit Österreich bei der EM und scheiterte mehr als unglücklich an Italien im Achtelfinale. Schaub hatte da noch den 1:2-Anschlusstreffer vorbereitet. Danach kehrte er zum 1. FC Köln zurück. Schaub wurde in Fulda geboren, ist Sohn des früh verstorbenen Frankfurter Europapokal-Siegtorschützen Fred Schaub, sein Bruder Fabian stürmt für Hessenligist Buchonia Flieden. Auch weitere Teile seiner Familie leben noch heute in der Gemeinde Kalbach, während Louis Schaub in Österreich aufwuchs. Er ist verheiratet und hat einen vierjährigen Sohn.

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