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Ein Schlag ins Gesicht – nicht nur für Eintracht Frankfurt

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Von: Johannes Götze

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund
Eintracht Frankfurts Daichi Kamada (von rechts), Jesper Lindström und Mario Götze beschweren sich bei Schiedsrichter Sascha Stegemann. Ohne Erfolg. © Arne Dedert/dpa

Torgranate-Redakteur Johannes Götze weiß nach der Skandal-Fehlentscheidung zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund gar nicht, wen er mehr bemitleiden soll: Die Eintracht-Fans? Die Spieler? Die Schiedsrichter-Gilde? Oder den Fußball? 

„Ruhig bleiben, dafür ist ja der Kölner Keller da“, rief einer lautstark durch die Eintracht-Kneipe, nachdem er wie viele andere schon im Livebild einen glasklaren Elfmeter erkannt hatte. DEM Aufreger des Fußball-Wochenendes. Dortmunds Karim Adeyemi hatte Jesper Lindström im Fünfmeterraum mit beiden Händen zu Boden gestoßen. Da es sich hierbei um die Vereitelung einer klaren Torchance handelte, wäre nicht nur Elfmeter, sondern auch Rot folgerichtig gewesen. Beim Stand von 1:1 noch vor der Halbzeitpause. 

Ein Schlag ins Gesicht – nicht nur für Eintracht Frankfurt

Und während „Sky“ die erste Wiederholung einblendete, fühlte sich nicht nur der Wortführer bestätigt. Doch plötzlich ging es mit Freistoß für schwarz-gelb weiter. Keine Überzahl, kein Elfmeter. Weil die Schiedsrichter-Leistung auch nachher höchst diskussionswürdig blieb – wie bei Niklas Süles Stoßen gegen Frankfurts Mario Götze, bei dem Schiedsrichter Sascha Stegemann auf Stürmerfoul statt Elfmeter entschied – stand selbst der introvertierteste Kneipengast auf dem Tisch, erinnerte an verschobene Spiele in der Bundesliga-Geschichte und nutzte gefährliches Vokabular: „Absicht, Betrug, Methode.“

Nicht besser erging es Spielern, Trainern und Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt. Die ließen ihrem Frust nach Spiellende freien Lauf. Die Eintracht hatte den höchst effizienten BVB phasenweise an die Wand gespielt, scheiterte wieder und wieder an Keeper Gregor Kobel, hatte aber keineswegs vergessen, dass da ja diese Szene vor der Pause gab: „So können wir den Kölner Keller einstampfen“, wütete Sportvorstand Markus Krösche und bemängelte das fehlende Eingreifen des Video-Schiedsrichters. 

Das hätte ein Siebenjähriger gesehen.

Stefan Effenberg im Sport1-Doppelpass

Mit dem hatte Stegemann nach eigener Auskunft einen kurzen Austausch. Wie in Köln das Offensichtliche nicht erkannt werden konnte, blieb offen. Dass Stegemann nach Sichtung der TV-Bilder schon am Samstagabend vor laufenden Kameras seine Fehlentscheidung freimütig zugab, ehrt ihn. Doch genau diese Bilder hätte er sich eben einfach während des Spiels anschauen können. Nein: MÜSSEN! Die Integrität des Video-Schiedsrichters steht mehr denn je infrage, denn auch in München und Stuttgart gab es am Samstag kaum zu erklärende Fehlentscheidungen.

Am Sonntag stellte sich Stegemann erneut – diesmal im „Doppelpass“ auf Sport 1. Da versuchte er den Mann in Köln, in diesem Falle Dr. Robert Kampka, zu schützen. Auf den vier von Kampka gesichteten Kameraeinstellungen sei das Vergehen nicht zu sehen gewesen, was bei den selbsternannten Experten um Stefan Effenberg für heitere Belustigung sorgte. Effenberg meinte, dass selbst ein Siebenjähriger erkannt hätte, dass ein Gelber einen anderen schubst. Treffend zusammengefasst.

Welche Kameraeinstellung das klare Foul nicht hätte einfangen könnte, blieb offen. Kampka, der als Schuldiger der Misere ausgemachte, äußerte sich nicht. Nicht wenige erwarten eine „Schutzsperre“ gegen den Schiedsrichter. Schade jedenfalls, dass Stegemann nicht die laufenden Kameras für ein deutliches „Sorry, Eintracht Frankfurt“ nutzte. Hätte der Eintracht nicht geholfen, aber zumindest der Schiedsrichter-Gilde. Es muss mehr menscheln. 

Das hilft nämlich denen, die Sonntag für Sonntag in der Kreisliga pfeifen (müssen). Sind „die da oben“ schlechte Vorbilder, spiegelt sich das bis in die niedrigsten Klassen wider, denn der Frust auf Schiedsrichter wächst ganz automatisch und wird verallgemeinert. Aber in erster Linie ist der DFB gefordert. Ex-FIFA-Schiedsrichter Manuel Gräfe brachte das in einem Tweet auf den Punkt: „Die Jungs scheinen zum Teil völlig von der Rolle beziehungsweise orientierungslos. Bin gespannt, wann sie beim DFB ihrer Obhutspflicht den Schiedsrichtern und dem Fußball gegenüber nachkommen.“

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