1. torgranate
  2. Profis
  3. Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurts Triumph in Barcelona: Magisch. Für immer.

Erstellt:

Von: Johannes Götze

Zahlreiche in weiß gekleidete Eintracht-Fans machten das Gastspiel in Barcelona zu einem Heimspiel. Foto: privat
Zahlreiche in weiß gekleidete Eintracht-Fans machten das Gastspiel in Barcelona zu einem Heimspiel. © privat

Gib es ruhig zu: Am Donnerstagabend hat dein Herz schwarz-weiß-rot geschlagen. In den Farben der Eintracht, der magischen SGE. Eintracht Frankfurt hat den FC Barcelona vorgeführt. In dessen Stadion. Unvorstellbar. Ein Erklärungsversuch von Torgranate-Redakteur Johannes Götze, der sich offensichtlich etwas in die Eintracht und deren Fans verliebt hat.

Gerne wird von Fußballmärchen gesprochen, doch der Begriff ist mittlerweile verklärt, wird inflationär eingesetzt. Denn die Davidsgeschichten, die gibt es gar nicht mehr. Meister werden die Bayern. Eines der Gesetze, die das Milliardengeschäft des Fußballs vorgibt. Der Große schlägt in aller Regelmäßigkeit den Kleinen. Die Eintracht aber, die erzählt ein reines, unbeflecktes Märchen. Eines, das offenlegt, wie Vereinsromantik gegen kaputten Kommerzfußball mit fairen Mitteln bestehen kann.

30.000 Fans von Eintracht Frankfurt – und der Präsident mittendrin

Angeblich schiebt der FC Barcelona 1,35 Milliarden Euro Schulden vor sich her und will trotzdem gerne Weltfußballer Robert Lewandowski verpflichten. Zwei Spieler der Spanier langen, um den kompletten Marktwert von Eintracht Frankfurt zu bemessen. Man könnte meinen, dass beide Vereine in unterschiedlichen Disziplinen unterwegs sind. Dort zu gewinnen? In einem Europapokalspiel? Eigentlich unmöglich.

Und doch ist es gelungen: Dank der Symbiose zwischen Fans und Mannschaft. 30.000 Eintrachtler sollen in Barcelona (am Main) gewesen sein. Alle in weiß. Schon den ganzen Spieltag lang bevölkerten Abertausende Frankfurt-Fans die Stadt und brachten den Spaniern hessisches Liedgut näher. Mittendrin sogar ihr Präsident: Peter Fischer trank mit den Fans Dosenbier und offenbarte damit einmal mehr, wie wichtig dem Verein die Fans sind. Kein lästiges Anhängsel. Fans, die ihr letztes Hemd für den Verein geben.

Eintracht-Fans nehmen irre Strapazen in Kauf

Vier aus Osthessen hatten wir vor dem Spiel interviewt, alle nahmen irre Strapazen auf sich, um pünktlich im Stadion zu sein. Bei einem fiel der Zug zum Flug aus und bei dem anderen war der Flug so überbucht, dass er in letzter Sekunde auf das Auto umsatteln musste. Aufgeben war keine Option. Genau wie für die Eintracht. Sie führte Barcelona vor. In einem Heimspiel. Nur 5.000 Tickets waren der Eintracht zur Verfügung gestellt worden, mit all ihrer Kreativität verschafften sich wahrscheinlich gut fünfmal so viele Fans Zugang zum Stadion und sorgten in den weißen Shirts für ein Heimspiel. „Es ist absolut unzulässig, dass das Camp Nou zu einem Dampfdrucktopf wird - aber zugunsten der gegnerischen Mannschaft“, wütete die Barca-nahe Zeitung „Sport“.

Der Begriff des Fußballmärchens ist mittlerweile verklärt.

Johannes Götze

Eines, vielleicht sogar zwei der Tore, die die Eintracht um den überragenden Filip Kostic erzielte, darf sich der Anhang auf seine Fahnen schreiben. Sie hatten das komplette Team über sich hinauswachsen lassen und hielten anschließend ihre Freudentränen nicht zurück. Gestandene Männer waren zu sehen, die aus ihren Emotionen keinen Hehl machten. Hemmungslos weinten. Und mit der Mannschaft noch fast eine Stunde nach Spielende im Camp Nou feierten. Ein Erlebnis, das niemand vergessen wird, das ihnen niemand mehr nehmen kann. Das sie den Enkeln erzählen. Mein Blick nach Barcelona war ein verzückter. Ich als Hesse mit schon immer hohen Sympathiewerten für die SGE bin heimlich verliebt, obwohl ich doch Fan eines anderen Bundesligisten bin.

Auch interessant