Alle in weiß, das gilt auch in Sevilla für die tausenden Fans von Eintracht Frankfurt. Daniel Wehner (links) und Marko Wehner werden sich farbtechnisch an ihrem Ausflug nach Barcelona orientieren.
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Alle in weiß, das gilt auch in Sevilla für die tausenden Fans von Eintracht Frankfurt. Daniel Wehner (links) und Marko Wehner werden sich farbtechnisch an ihrem Ausflug nach Barcelona orientieren.

Europa-League-Finale

Fans von Eintracht Frankfurt erobern Sevilla: Einer hat einen Flieger gechartert

Eintracht Frankfurt vor dem größten Erfolg seit 42 Jahren? Am Mittwoch soll im Europa-League-Finale in Sevilla gegen Glasgow Rangers ein Erbe Fred Schaubs gefunden werden – und zahlreiche Osthessen werden sich unter den 15.000 erwarteten Eintracht-Fans tummeln. Einige schildern ihren Weg nach Andalusien.

Über alle erdenklichen Wege wollte Michel Ickler (22) an ein Finalticket gelangen. Er bewarb sich im eigenen Fanclub, bei der Eintracht und nahm an jedem erdenklichen Gewinnspiel teil. Und als er die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, gewann er über ein Mitarbeitergewinnspiel seines Arbeitgebers „Strauss“ Tickets. Auf die Reise begibt sich der Petersberger Fußballer nun mit zwei Kumpels aus Großenlüder, die ebenfalls Karten ergatterten. „Wir haben zum Glück noch einen Direktflug bekommen. Wir werden am Mittwoch los- und am Donnerstagabend heimfliegen. Ein Hotel haben wir nicht, zur Not schlafen wir auf der Parkbank“, sagt er und ist voller Vorfreude: „Die Eintracht ist keine Übermannschaft, aber von den Fans beflügelt werden solche Momente erst möglich.“ Vor drei Jahren war Ickler beim dramatischen Halbfinalaus in London dabei und erinnert sich :„Damals haben wir nach dem Spiel kein Wort geredet, weil wir dachten, dass so eine Chance nicht wiederkommt. Jetzt ist sie da. Das ist einzigartig und verrückt.“ 

Eintracht Frankfurt in Sevilla: Eigenen Flug gechartert

Christopher Schaus (41) ist Eintrachtler durch und durch. Er betreibt in Fulda den Eintracht-Fanshop und ist geschäftsführender Gesellschafter der „Wemag“. Für das Finale charterte Schaus einen Tagesflieger. Am Mittwoch um 11.25 Uhr ist Abflug in Kassel-Calden, morgen um die gleiche Uhrzeit Rückkehr. Ohne Übernachtung, aber mit Ticket bot er das Paket für 650 Euro an. Ein Schnapper. „Wir wollen daran nichts verdienen, haben die Preise eins zu eins umgelegt und sogar noch einen Sponsor für das Bier im Flieger gefunden“, berichtet Schaus, der den Hype um die SGE nicht zuletzt am steigenden Umsatz im Fanshop spürt. „Die SGE hat sich durch ihre internationalen Auftritte unfassbar viele Sympathiewerte erarbeitet. Vom Präsidenten bis zum Fan lebt jeder diesen Verein und zeigt, was Tradition im Fußball bedeutet.“

Schaus erlebte den Pokalsieg 2018 in Berlin mit, war kürzlich in Barcelona und London. Nun will er in Sevilla einen neuen Höhepunkt erleben. Was ihm missfällt: das vergleichsweise kleine Stadion und der Spieltermin unter der Woche. Die Stimmung lässt er sich deshalb nicht verderben, sondern fiebert dem Spiel der Spiele entgegen, wenngleich er viele Fans enttäuschen musste. „Wir hatten 1500 Anfragen für den Charterflug, aber nur 150 Plätze und mussten die Tickets verlosen.“ Zehn Flieger hätte er voll bekommen. 

„Der Optimismus ist unfassbar“

Der gebürtige Hünfelder Daniel Fennel (38) ist seit einigen Jahren im „Herzen von Europa“ zu Hause. Er lebt in Sachsenhausen und erfährt somit den SGE-Hype hautnah. „Wobei ich zugeben muss, dass sich das vor allem auf die Spieltage beschränkt. Da ist in der Stadt, am Bahnhof und rund ums Stadion noch mehr los als sonst.“ Fennel erlebte zuletzt die Heimspiele Sevilla und West Ham mit und war sogar nach London gereist. Was ihm auffällt: „Die Stimmung und die Choreos in der Europapokalsaison 18/19 fand ich noch krasser, diesmal aber ist der Optimismus bei den Fans unfassbar groß.“ Damals reiste er nach London und Mailand, war bei allen Heimspielen dabei. Die Finalkarte hat er einem Kumpel aus der alten Heimat zu verdanken. Der hatte sich weit vor dem Finaleinzug bei der UEFA auf Karten beworben und zwei erhalten. Die Flüge buchten die beiden SGE-Mitglieder in der Nacht des Finaleinzugs und kehren am Donnerstag heim. Dann will er am Römer den Sieg feiern.

Schon vor West Ham gebucht

Marko Wehner (51) ist ausgewiesener Europapokalreisespezialist – und weiß, wie man selbst bei den völlig horrenden Flugpreisen noch Schnäppchen macht. Der Hünfelder buchte die Flüge schon vor dem Halbfinale gegen West Ham. Über Palma ging es am Dienstag los, der Rückflug ist für Freitag geplant. Die drei Übernachtungen in Sevillas Altstadt kosten ihn gerade einmal gute 100 Euro in Summe und das Ticket erstand er zum Normalpreis. Der Kurzurlaub in Sevilla wird für ihn und seinen steten Begleiter Daniel Wehner somit zum Schnapper. Und natürlich zu einem unvergessenen Erlebnis: „Die Nervosität nimmt von Stunde zu Stunde zu“, sagt der unabhängige Versicherungsmakler. Die SGE in einem europäischen Finale hätte er vor einigen Jahren noch für Utopie gehalten und noch immer findet er die Vorstellung atemberaubend. Die Siegchancen schätzt Wehner auf 60:40 und ist sicher, „dass die Stimmung dank zweier außergewöhnlicher Fangruppen phänomenal wird und Ansgar Knauff in Fred Schaubs Fußstapfen tritt“.

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