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Abstieg wegen Passbild-Fehler

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Von: Tino Weingarten

Tribüne Stadion Viktoria Urberach
Vor der Tribüne des Stadions in Urberach wird kommende Saison A-Liga-Fußball gespielt - wegen eines Passbild-Fehlers. © Torgranate

Sportlich hat Viktoria Urberach den Klassenerhalt in der Kreisoberliga Dieburg/Odenwald dank eines 5:1-Erfolg am letzten Spieltag gegen die SG Klingen geschafft. Doch da ein Spieler eingesetzt wurde, dessen Passbild im Online-Spielbericht fehlte, wurde die Begegnung nun gegen die Viktoria gewertet - was den Abstieg zur Folge hat. Ein Schiedsrichterfehler?

In einer Pressemitteilung rekapituliert der frühere Hessenligist die Ereignisse vom 4. Juni. „Am letzten Spieltag wurde der Spieler Ahmet Karadag ohne Passbild im Online-Spielbericht eingewechselt und erzielte ein Tor. Der Schiedsrichter schrieb den Wechsel und Treffer aber dem Spieler Leon Lake zu. Daraufhin informierte der FC Viktoria den Klassenleiter Hartmut Schwöbel (Michelstadt) über die fälschliche Eingabe des Unparteiischen, worauf Schwöbel den Fall an das Kreissportgericht des Fußballkreises Odenwald weiterleitete.

Der Schiedsrichter gab allerdings in seinem Spielbericht an, dass die Pässe ohne Beanstandung von ihm geprüft wurden und markierte das entsprechende Feld im Online-Spielbericht mit „in Ordnung“. Auch auf Nachfrage von Urberacher Vereinsoffiziellen bestätigte der Schiedsrichter, dass alles in Ordnung sei. Außerdem wurde Karadag im vorherigen Spiel von Viktorias U23 eindeutig von Schiedsrichter Markus Gericke identifiziert, der seitens der Viktoria im Verfahren als neutraler Zeuge benannt wurde.“

Abstieg wegen Passbild-Fehler: Viktoria Urberach muss in die A-Liga

In der Spielordnung des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) ist hinterlegt, dass der Schiedsrichter die Spielberechtigung der Spieler anhand der Spielerpässe vor der Partie zu prüfen hat. Nach Aussagen des Vereins sei dies am Spieltag geschehen - ohne Beanstandung. Klassenleiter Schwöbel berichtet auf Nachfrage von torgranate.de anderes: „Nach Rücksprache mit dem Schiedsrichter hat sich herausgestellt, dass der Spieler sich weder durch Personalausweis, noch Führerschein oder Reisepass ausgewiesen hat. Dadurch entstand der Verdacht, dass der Spieler nicht spielberechtigt war.“

Wird der Verein auf das Fehlen eines Passbildes aufmerksam gemacht, ist er in der Bringschuld, die Identität des Spielers entweder vor oder kurz nach dem Spiel zu festzustellen. „Ein solcher Hinweis hätte uns trotz mehrmaligem Nachfragen den Klassenerhalt sichern können. Leider blieb dieser Hinweis seitens des Schiedsrichters aus“, heißt es in der Pressemitteilung vom Viktoria-Präsidiumsmitglied Thomas Weiland. „Durch unsere Ehrlichkeit und sportliche Fairness sind wir nun bestraft worden. Hätten wir Stillschweigen gewahrt und den Fehler des Schiedsrichters nicht gemeldet, wäre keinerlei Verfahren in Gang gekommen. Somit wird unsere Ehrlichkeit bestraft und unsere Spieler und Mitglieder werden aufgrund eines Verwaltungsfehlers um den sportlichen Lohn gebracht“, sagt Weiland.

Mittlerweile ist der Abstieg - Viktoria Urberach hatte die gegen die Urteile des Einzelrichters und des Kreissportgerichts Berufung eingelegt - rechtskräftig. Der Verein, der 2017 noch in der Hessenliga spielte, muss in der kommenden Saison in der A-Liga antreten. „Wir sind noch immer fassungslos, dass die höchste sportjuristische Instanz unsere stichhaltigen Belege und Dokumente als nicht aussagekräftig eingestuft hat. Wir hatten an dem Tag über 400 Zuschauer auf dem Sportgelände, von denen mindestens 50 die Identität von Ahmet Karadag bestätigen können. Darunter auch neutrale Personen aus dem Schiedsrichterwesen. Wir werden jetzt wegen des Einsatzes eines Spielers ohne Passbild bestraft, der in der gesamten Saison 20 Minuten auf dem Feld gestanden hat. Die sportliche Fairness wird hier mit Füßen getreten“, sagt der Sportliche Leiter Michael Hock.

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