Blick zurück mit zwei lachenden Augen. Gregor Karpowicz verlässt den SV Salmünster im Guten. Foto: Oliver Müller
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Blick zurück mit zwei lachenden Augen. Gregor Karpowicz verlässt den SV Salmünster im Guten.

Karpowicz verlässt den SV 1913

Kaum einer der hiesigen Fußballtrainer hat seinem Verein so lange die Treue gehalten wie Gregor Karpowicz dem SV 1913 Salmünster. Doch auch diese Ära endet: Der 44 Jahre alte langjährige Verbandsligaspieler des Lokalrivalen SG Bad Soden hat dem Gelnhäuser Kreisoberligisten für die kommende Saison abgesagt.

Wie lange Gregor Karpowicz nun schon bei den „Dreizehnern“ ist, weißt er selbst nicht so genau: „Mindestens zehn, ich glaube aber eher elf Jahre.“ Karpowicz geht im Guten und hat dem Verein angeboten bei der Suche nach einem Nachfolger „mitzugucken, wer passen könnte“.

Als Karpowicz seinerzeit den Stammplatz in der Abwehr des Bad Sodener Platzhirschen räumte und sich dem kleinen Nachbarclub seines Wohnorts anschloss, fand er beim SV 1913 „einen Scherbenhaufen vor“. Über viele Jahre waren die „Dreizehner“ eine der besseren Adressen im Fußballkreis Gelnhausen gewesen. Als Karpowicz kam, war der Club gerade in die B-Klasse abgestürzt.

Unaufgeregt, kontinuierlich, mit mickrigem Etat und dem Fokus auf Geduld, Ausbildung und eigene Spieler führte Karpowicz den SV Salmünster peu à peu zurück zu alter Stärke. Im vierten B-Ligajahr gelang der Aufstieg in die A-Liga. 14/15 war man noch in der Relegation an Höchst II gescheitert, im Jahr darauf klappte es ausgerechnet gegen den FSV Mernes, den kleinen Stadtrivalen aus dem Spessart, der dem SV 1913 für einige Jahre den Rang abgelaufen hatte. In der dritten A-Liga-Saison ging es als Vize zurück ins Oberhaus des Kreises. Dort befindet sich die Mannschaft nach einer von Pleiten, Pech und Pannen geprägten Hinserie heuer zwar in Abstiegsgefahr, doch die allemal wettbewerbsfähige Ausstattung des Kaders, der Teamgeist und das Spielvermögen der Mannschaft lassen fest an den neuerlichen Klassenerhalt glauben. „Ich möchte meinem Nachfolger eine intakte Mannschaft hinterlassen“, sagt Karpowicz.

Bleibt die Frage, warum der Trainer ausgerechnet zu einem Zeitpunkt geht, da das Team auf nahezu allen Positionen mit ebenso hoffnungsvollen wie teilweise von der Konkurrenz begehrten Spielern ausgestattet ist; wo selbst der so lange vakante Torhüterposten endlich besetzt ist und der SV 1913 aus dem Jugendförderverein Bad Soden-Salmünster auch für die kommende Spielzeit gut ausgebildete Nachwuchskräfte erwarten darf. Und wo außerdem auch nach mehr als einem Jahrzehnt jeder interessierte Sportplatzbesucher registrieren konnte, dass das Verhältnis Trainer/Mannschaft keine Verschleißerscheinungen offenbarte, im Gegenteil die Spieler stets stark bemüht schienen, die fundierten Anweisungen ihres engagierten Trainers umzusetzen.

„Leicht habe ich mir diese Entscheidung wirklich nicht gemacht. Ich bin jemand, den das tagelang beschäftigt. In mir ist das Gefühl gereift, dass die Spieler satt sind von mir, von meinen Ansprachen, dass sie müde sind und ich auch.“ Auch private Umstände und Corona beeinflussten seinen Entschluss. Hauskauf und Renovierungsarbeiten kosteten Zeit, Kraft und Aufmerksamkeit. Die pandemiebedingten Zwangspausen hätten den Blick auf den Alltag mit Fußball verändert. „20, 25 Jahre lang habe ich mein Leben nach Spiel- und Trainingsplänen ausgerichtet. Wirklich frei, Zeit etwas für mich und mit der Familie zu tun, hatte ich allenfalls im Januar und Juni. Und dann war da plötzlich diese ewig lange Pause und man sieht: Hej, es gibt ja auch noch was anderes.“ Natürlich sei auch er heiß gewesen, als Fußball endlich wieder erlaubt war, aber die Euphorie hielt nicht lange vor: „Ich hatte schnell wieder jene Abnutzungserscheinungen, die ich auch schon vor der Pandemie bei mir registriert habe.“

Und nun? Fußballpause oder neuer Verein? „Ich bin da total offen. Es muss was sein, was mich motiviert, mich bewegt, das Bauchgefühl muss passen. Klar ist es schön, wenn man irgendwo hinkommt, Meister wird und einem alle auf die Schulter klopfen. Aber für mich ist es eher ein Erfolg, so wie in Salmünster aus nichts etwas gemacht zu haben. Mit einem Sportwagen auf der Autobahn zu überholen, ist keine Kunst. Mit einem alten Golf mitzuhalten, das macht Spaß.“ / oi

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