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„Hätte unter der Erde liegen können“

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Von: Steffen Kollmann

Andre Wohnig übernimmt im Sommer beim SV Müs – nach schwierigen vergangenen Jahren.
Andre Wohnig übernimmt im Sommer beim SV Müs – nach schwierigen vergangenen Jahren. © Archivfoto: Max Lesser

Mit Andre Wohnig hat Gruppenligist SV Müs vergangene Woche seinen neuen Trainer vorgestellt. Für den 49-Jährigen ist es der nächste große Schritt – nachdem in den vergangenen beiden Jahren ganz andere Dinge im Fokus standen.

Im Februar 2020, kurz bevor die Corona-Welle Deutschland zum ersten Mal erfasste, bekam Andre Wohnig die Diagnose Darmkrebs. Bestrahlungen, Chemotherapie und mehrere Operationen, um einen künstlichen Darmausgang zu legen, folgten. „Doch dann trat der Krebs schnell in den Hintergrund“, sagt der Landenhausener. Nach einem Schlaganfall konnte Wohnig seine linke Gesichtshälfte nicht mehr bewegen. Ausgelöst wurde der Schlaganfall durch ein Loch im Herzen, das eine weitere Operation erforderlich machte. Erst danach konnte die zweite Chemotherapie begonnen werden.

TSV Ilbeshausen suchte während Wohnigs Krankheit keinen neuen Trainer

Die Leidenszeit streckte sich über anderthalb Jahre, erst im August 2021 konnte der 49-Jährige wieder arbeiten gehen. „Geheilt bin ich heute nicht, ich werde in immer größer werdenden Zeiträumen weiter untersucht werden. Aber ich sage immer, dass ich soweit wieder auf dem Dampfer bin und es mir den Umständen entsprechen gut geht. Ich hätte auch unter der Erde liegen können“, weiß Wohnig, der seiner Familie und Frau Stephanie für die Unterstützung unendlich dankbar ist: „In guten wie in schlechten Zeiten trifft hier wirklich zu.“

Bemerkenswert: Trotz der schweren Erkrankung suchte sich der Lauterbacher A-Ligist TSV Ilbeshausen, den Wohnig seit 2017 und bis Sommer leitet, keinen neuen Trainer. „Während der gesamten Zeit war es nie ein Thema, dass ein Nachfolger für mich gesucht werden muss. Das ist während so einer Krankheit alles andere als selbstverständlich“, betont der Fuldaer Stützpunkt-Trainer, der das Vertrauen in seine Person zurückzahlen wollte und für ein fünftes Jahr beim A-Ligisten zusagte.

Vor einem Jahr hätte sogar ein Angebot aus der Bundesliga kommen können. Ich wäre geblieben. 

Andre Wohnig

Seitdem hat der 49-Jährige aber Verschleißerscheinungen festgestellt, weswegen Wohnig den Verantwortlichen schon vor Monaten mitteilte, dass ein neuer Impuls auf der Trainerbank sinnvoll wäre. Dass der Coach seine Mannschaft aber noch erreicht, wird anhand der Tabellensituation deutlich. Als Zweiter hat der TSV gute Aufstiegschancen, könnte bei zwei Punkten Rückstand und einem Spiel mehr als Spitzenreiter Großenlüder II erstmals mit Ilbeshausen in die Kreisoberliga aufsteigen. Davon will Wohnig nichts wissen, betont aber, „dass ich alles dafür tun werde, dass ich mich mit einer guten Platzierung verabschiede“.

Ab Sommer folgt dann definitiv ein persönlicher Aufstieg, mit Gruppenliga-Abstiegskandidat SV Müs spielt er mindestens in der Kreisoberliga. Das neue Engagement habe sich erst kurzfristig ergeben. Und doch scheint Wohnig, der bei den Frauen der SG Landenhausen seine ersten Trainerschritte ging und später die FSG Wartenberg coachte, der perfekte Mann für die Aufgabe bei der Germania. Unabhängig der Ligazugehörigkeit möchte Müs wieder vermehrt auf junge, einheimische Talente setzen. Diesen Weg ging Wohnig mit Ilbeshausen, als DFB-Stützpunkttrainer kennt er sich mit der Arbeit mit Talenten aus. „Es macht mir Spaß, mit jungen Spielern etwas zu entwickeln“, sagt der 49-Jährige. Kein Wunder, dass er neben seinem Engagement in Müs bei der A-Jugend des FV Horas, in der sein Sohn spielt, unterstützend tätig sein wird.

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