SG Schlüchtern II, 2021-2022, Gerhard Richter
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Gerhard Richter hütet noch immer das Tor der SG Schlüchtern II. Heute wird Richter 70 Jahre alt.

Gerhard Richter wird 70

Hessens ältester Torwart

Für einen Eintrag in die Geschichtsbücher des Amateurfußballs reicht es für Gerhard Richter noch nicht. Den Rekord hält der Krefelder Leo Pixken, der beim Spiel der A-Liga Krefeld mit 89 Jahren eine Minute lang auf dem Platz stand. Ganz bestimmt ist der gebürtige Schlüchterner mit seinen heute 70 Jahren aber der älteste Keeper in Hessen. Noch immer hütet Richter das Tor der Reservemannschaft der SG Schlüchtern.

„Viele Rentner lieben Städtereisen, ich stehe lieber auf dem Platz. Im Fußball zählt Leistung und nicht das Alter. Das ist mein einziges Hobby“, sagte die Fußballlegende. Regelmäßig findet man ihn im Training des Gruppenligisten. „Mindestens zweimal in der Woche“, betont er. Seit acht Jahren trainiert er SGS-Tormann Fabian Zarnack. „Er ist für mich der beste Torhüter in der Gruppenliga. Er ist sehr begabt, fleißig und ehrgeizig“, schwärmt Richter von dem jungen Kollegen.

Gerhard Richter: Mit 64 Jahren Debüt in der Gruppenliga

Seine Fußballschuhe hat Richter vor 60 Jahren erstmals in der Schlüchterner C-Jugend geschnürt. „Wolfgang Eckhardt hatte mich gebeten, auszuhelfen. Da spielte ich letzter Mann oder im Sturm, wo gerade Not am Mann war oder im Tor.“ Bald zog er nach Heusenstamm und begann eine Lehre als Brauer und Mälzer. „Da habe ich beim TSV in der B-Jugend gespielt und in einer Runde 56 Tore geschossen.“ Unvergessen bleibt für ihn der Auftritt der Henninger Brauereiauswahl in Prag gegen Pilsner Urquell. „Wir haben 4:1 gewonnen. Der spätere Kickers-Profi Manfred Erber hat zweimal getroffen und ich habe die beiden anderen Tore gemacht.“ Gern denkt Richter an ein Freundschaftsspiel der SG Schlüchtern im September 1974 gegen den Tabellenzweiten der Hessenliga, Borussia Fulda. Vor 500 Zuschauern siegte der Bezirksligist Schlüchtern durch zwei Richter-Tore mit 3:2.

Zurück im Bergwinkel arbeitete Gerhard Richter als Estrichleger, heiratete seine Frau Margit und baute in Ulmbach ein Haus. Dort erlebte er mit der Germania seine größten sportlichen Erfolge mit dem Aufstieg in die Bezirksliga Fulda Süd. Danach gelang der Mannschaft, in der auch die Kowarz-Brüder Kurt und Harald, Josef Hohmann und Oswald Leibold spielten, unter Trainer Rainer Grammann die Vizemeisterschaft. „Zum Aufstieg in die Landesliga haben uns zwei Punkte gefehlt.“

Wie alles begann: Gerhard Richter (in der mittleren Reihe rechts) in der C-Jugend der SG Schlüchtern.

Es folgten Spielertrainer-Stationen bei der KSG Radmühl, in Kressenbach/Ulmbach und Hintersteinau. Zehn Jahre coachte er die Kreisauswahl der C-Junioren und war Stützpunkttrainer. Danach ging es erneut zurück zu seinem Heimatverein SG Schlüchtern als Torwart der zweiten Mannschaft und Co-Trainer der Ersten. Als 64-Jähriger feierte das Fußball-Urgestein unter Trainer Bilal Seker sein Debüt in der Gruppenliga. Er wurde für den angeschlagenen Zarnack für die letzten zehn Minuten eingewechselt.

Seine Fußballschuhe will der Anhänger des FC Bayern München erst dann an den Nagel hängen, wenn es krankheitsbedingt nicht mehr geht. „Ich bin gesund und halte mich fit. Fußball ist mein Lebenselexier. Und meine Frau hat nach den vielen gemeinsamen Jahren immer noch Verständnis dafür.“

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