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RTL „Extra“ zeigt unbefriedigende Duschsituation bei Teutonia Großenlüder

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Von: Johannes Götze, Joachim Herbert

Kalte Duschen SV Großenlüder RTL
Ein Team von RTL war zu Gast bei Teutonia Großenlüder, um über die Dusch-Situation des Gruppenligisten zu berichten. © Jonas Wenzel

Die hohen Energiekosten sind derzeit eines der beherrschenden Themen. Überall muss gespart werden, so auch beim Heizen öffentlicher Gebäude und bei deren Versorgung mit warmem Wasser. 

Betroffen sind davon nicht nur Rathäuser, Dorfgemeinschaftshäuser und diverse andere Bauten, sondern auch Sporthallen. Kalt duschen, weniger heizen und zwei Pullover übereinander tragen – so lassen sich die Kosten für Energie reduzieren. Manchmal erfolgt das Frieren jedoch unfreiwillig, etwa bei den zahlreichen Sportlern, die in den Hallen des Landkreises Fulda kalt duschen müssen. Betroffen sind davon zahlreiche Aktive, von Handballern und Volleyballern bis hin zu Tischtennisspielern. Sie alle müssen mit dem kalten Duschwasser zurechtkommen – oder es vermeiden, indem sie nach Hause fahren und dort duschen.

Kalte Duschen beim SV Großenlüder: Landkreis dreht Verein das warme Wasser ab

Für den ein oder anderen Hallensportler mag das kalte Duschen noch halbwegs erträglich sein, denn zuvor haben sich die Männer und Frauen meist 90 Minuten verausgabt, sind danach aufgeheizt und könnten es ertragen, für wenige Minuten unter das kalte Wasser zu springen.

Anders sieht es beim Fußball und anderen Sportarten aus, die im Freien stattfinden. Eineinhalb Stunden bei einstelligen Temperaturen oder gar Werten unter null Grad auf einem feuchten, matschigen Sportplatz zu trainieren und danach verdreckt kalt zu duschen, klingt nach wenig Spaß. Genau das ist aber für die Fußballer von Teutonia Großenlüder Alltag. Der Verein spielt mit seinen zwei Mannschaften in der Gruppenliga und der Kreisoberliga und hat im Vereinsheim keine eigenen Duschen. Deshalb geht es nach dem Training oder Spiel für die meisten Fußballer zum Duschen in die nahegelegene Turnhalle der Grundschule St. Georg.

Umsatz des SV Großenlüder bei Heimspielen sinkt

„Zum Beginn der Sommerferien hat der Landkreis das Warmwasser in der Halle abgestellt“, berichtet Jonas Wenzel, Leiter Wirtschaftswesen im Vorstand von Teutonia Großenlüder. Die Spieler müssen also nach dem Training und nach den Spielen nach Hause fahren, wenn sie beim Duschen nicht frieren wollen. „Das wirkt sich sportlich, wirtschaftlich und auf unsere Moral aus“, sagt Wenzel. „Die Heimfahrt der Spieler direkt nach dem Training zerstört die Gemeinschaft, die Grundzufriedenheit sinkt, und wir spüren es auch bei unseren Einnahmen. Nach den Punktspielen bleiben die Gegner nicht mehr in unserem Vereinsheim, und uns fehlt nach jedem Heimspiel der Umsatz.“

In den Sporthallen des Landkreises Fulda wurde schon vor geraumer Zeit die Raumtemperatur auf 17 Grad Celsius gesenkt, und Warmwasser steht nicht zur Verfügung. „Wir würden uns beim Warmwasser eine Mindesttemperatur wünschen und wären als Verein bereit, dafür einen Beitrag zu zahlen“, sagt Jonas Wenzel.

Nach den Punktspielen bleiben die Gegner nicht mehr in unserem Vereinsheim, und uns fehlt nach jedem Heimspiel der Umsatz.

Jonas Wenzel

Die Aussage von Landrat Bernd Woide von Mitte Oktober gilt noch heute: „Es geht darum, dass wir und unsere Unternehmen durch diesen Winter kommen. Wir müssen jetzt dort sparen, wo es für unser Land am ehesten verkraftbar und zumutbar ist. Die Sporthallen und deren Duschen sind sicher ein Bereich, in dem das Herunterdrehen der Heizung vertretbar ist.“ Energie wird in diesem Fall zwar in der Sporthalle eingespart, dafür wird sie in den Privathaushalten der Spieler verbraucht. Da stellt sich die Frage, ob es energiesparender ist, wenn 15 Fußballer in der Sporthalle warm duschen oder wenn diese sich alle einzeln zu Hause waschen.

Grundsätzlich ist das Duschen mit kaltem Wasser jedoch nicht zu verurteilen, sondern bietet zahlreiche Vorteile. Das Immunsystem wird gestärkt, die Durchblutung gefördert und die Fettverbrennung wird durch den erhöhten Kalorienverbrauch unterstützt – unangenehm ist es trotzdem.

RTL „Extra“ berichtet über Dusch-Situation bei Teutonia Großenlüder

Sogar der Privatsender RTL ist aufmerksam auf die unbefriedigende Duschsituation in Großenlüder geworden und berichtet nächsten Montag (22.35 Uhr) im Reportagemagazin „Extra“. Großer Bahnhof am vergangenen Dienstag auf dem Sportgelände der Teutonen: Um 18.30 Uhr trafen ein Redakteur und zwei Kameramänner von RTL ein. Sie hatten sich angekündigt, um Leidensgenossen zu finden.

Der Privatsender versucht nicht zuletzt durch die Reihe „Das Jenke-Experiment“ immer wieder die körperliche Reaktion auf Extremsituationen darzustellen. In den letzten vier Wochen hatte nun Reporter Emrah Elden die Aufgabe, ausschließlich kalt zu duschen. „Die Auswirkungen der Energiekrise betrifft ganz viele Menschen, deswegen testet Emrah Elden die Auswirkungen auf den Körper, wenn der einen Monat lang nur kaltes Wasser abbekommt“, erklärte Pascal Wede gegenüber unserer Zeitung. Der RTL-Redakteur wollte die Situation in Großenlüder so authentisch wie möglich darstellen.

Während das Team auf dem B-Platz trainierte, fingen die Kameraleute Schnittbilder ein und interviewten Trainer Francisco Martinez sowie Jonas Wenzel aus dem Vorstandsteam. Nach dem Training ging es ans Eingemachte: Die Hartgesottenen, die nicht zum Duschen nach Hause fuhren oder aber die über Warmwasser verfügende Schiedsrichter-Kabine nutzten, wurden in die Nasszelle begleitet. Das Thermometer des Senders zeigte eine Wassertemperatur von 15 Grad. Ganz schön kalt, wie die Spieler fanden. Gleichzeitig wurde eine Wasserprobe entnommen, die unter anderem eine Prüfung auf Legionellen vorsah. Die Ergebnisse werden heute Abend in der Sendung präsentiert.

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