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Verschenkte Qualitäten?

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Von: Ralph Kraus

Angel Natsev (rotes Trikot) wurde Torschützenkönig der Kreisoberliga Mitte.
Angel Natsev (rotes Trikot) wurde Torschützenkönig der Kreisoberliga Mitte. © Charlie Rolff

Seine Quote ist einmalig in der Region: 109 Tore hat Angel Natsev seit seinem Wechsel zur SG Sickels in bisher 75 Meisterschaftsspielen erzielt. Im Durchschnitt trifft der Nordmazedonier also seit vier Jahren alle 62 Minuten für den Mitte-Kreisoberligisten ins Schwarze.

So verwundert es kaum, dass sich der 32-Jährige auch dieses Jahr wieder die Torjägerkrone geangelt hat. 31 Tore in 22 Spielen erzielte der Angreifer diesmal. Sein Trainer Marc Friedel ist entsprechend begeistert von ihm: „Angel ist ein unfassbar guter Stürmer. Er ist technisch stark, hat einen ungemein gefährlichen Abschluss und fehlt in keinem Training. Er ist ein Fußballer durch und durch und ganz ehrlich? Eigentlich ist er in der Kreisoberliga ein bisschen verschenkt.“

Angel Natsev erklärt Verbleib in Sickels

Umso glücklicher ist man in Sickels, dass Natsev auch kommende Runde für die SG stürmen wird. „Es gibt eine Reihe von Gründen, warum ich in Sickels bleiben will. Die Atmosphäre im Verein ist beispielsweise super. Die ganze Mannschaft hält zusammen. Wenn du Probleme oder Sorgen hast, dann kannst du mit ganz vielen Leuten darüber reden“, macht Natsev deutlich.

Dazu kommt die berufliche Komponente: „Mein Chef Veit Küllmer ist einer der Leute, die mir viel geholfen haben. Natürlich gab es auch dieses Jahr wieder viele Anfragen. Aber ich bin hier wirklich zufrieden.“ Der dritte Aspekt sei sein Knie, so der Straßenbauer: „Ich hatte vor sechs Jahren einen Kreuzbandriss. Und wenn du aus einem Kreuzbandriss kommst, dann ist danach vieles nicht mehr so, wie es vorher war. Bei mir zeigt sich das, in dem ich das Knie nicht überbelasten kann. Sollte ich also ein Angebot von oben annehmen, dann müsste ich viel mehr trainieren und ich glaube nicht, dass diese Mehrbelastung gut wäre.“

Gerne würde er aber mit Sickels den nächsten Schritt machen. Natsev traut Sickels den Sprung in die Gruppenliga durchaus zu. „Mit Petersberg ist da natürlich ein großer Konkurrent dazu gekommen. Aber wir werden eine gute Rolle spielen, denn wir haben mit Marc Friedel einen super Trainer, der uns voranbringt. Dazu kommt, dass die vielen jungen Spieler jetzt nicht mehr zweigleisig Jugend und Senioren spielen müssen, sondern sich auf die erste Mannschaft konzentrieren können. Wir haben wirklich tolles Potenzial. Wenn ich sehe, wie unser Kapitän Pit Küllmer mit 18 Jahren in den Sitzungen vor die Mannschaft tritt und spricht, dann ist das klasse.“

Clique aus Nordmazedonien in Fulda

Im Juni 2017 kam Natsev aus seiner nordmazedonischen Heimat Shtip nach Deutschland. Hilfreich war ihm dabei, dass er durch seine Eltern mit bulgarischer Abstammung einen EU-Pass hatte. Erste Station war der Niendorfer SV am Timmendorfer Strand. Über den heutigen Johannesberger Trainer Sejo Kolic kam dann der erste Kontakt nach Fulda zustande. Natsev landete in Johannesberg, aber sein Talent wurde verkannt. „Es ist sehr schwer, wenn du in ein fremdes Land kommst. Die Sprache, die neuen Gegebenheiten, der neue Job im Paketdienst. Das war alles nicht einfach. So habe ich meine Leistung dort nie zeigen können“, schaut Natsev zurück. Es folgte der Wechsel nach Sickels und fortan ging es sportlich wieder steil bergauf.

Kein Wunder, denn Natsev unterschrieb in Nordmazedonien mit 18 seinen ersten Profivertrag beim FC Sileks Kratovo. „Vier Jahre läuft so ein Profivertrag in Nordmazedonien als junger Spieler“, erzählt Natsev. Kurios: In Fulda kam es zur großen „Vereinigung“ ehemaliger Teamkollegen aus der Zeit bei Sileks Kratovo. „Die Kerzeller Darko Lazarevski und Nikolcho Gorgiev, die Schlüchterner Aleksandar Vasilev, Dean Mitrev und Slavcho Velkovski sowie der Neuhofer Gyorgi Zarevski – sie alle haben mit mir in einer Mannschaft gespielt und jetzt haben wir uns wiedergefunden. Die meisten davon sind auch heute eine Clique. Wir treffen uns regelmäßig zum Kaffeetrinken“, erzählt Natsev, der auch privat allen Grund zur Vorfreude hat. „Meine Frau Victoria und ich bekomme Anfang August ein Baby. Wenn alles gut läuft, dann wird es ein Junge“, fiebert der Torjäger der ersten August-Woche entgegen.

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