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Der 1. FC Köln in Hilders: Ein Fußballfest zum Schnäppchenpreis

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Von: Ralph Kraus

Mannschaftsbild TSV Hilders 1. FC Köln
Mannschaftsbild vor dem Spiel mit Schiedsrichter Helmut Hamperl (mit Ball) und seinem Gespann. Die Kölner Profis (rote Trikots) kamen aus dem Trainingslager in Grünberg zum Spiel nach Hilders angereist. © privat

Der 31. Juli 1979 wird für immer in den Geschichtsbüchern des TSV Hilders und in denen der gesamten Rhöner Marktgemeinde einen festen Platz haben. 

Damals platzten Sportgelände und der ganze Ort aus allen Nähten, als der 1. FC Köln für ein Freundschaftsspiel zu Gast war. Genau ein Jahr vorher waren die Kölner Deutscher Meister geworden, hatten zudem den DFB-Pokal und somit das Double gewonnen – es war der dritte und bis heute letzte Meistertitel der Rheinländer. Aus dem Meisterteam waren in Hilders noch neun Spieler mit dabei.

Deutscher Meister 1. FC Köln für Freundschaftsspiel in Hilders

Die Liste der Stars war lang. Etliche Nationalspieler samt Trainer-Legende Hennes Weisweiler gaben sich in der Rhön ein Stelldichein. Und das alles für einen „Schnäppchenpreis“. Die Hilderser Macher Wolfgang Heumüller (über Jahre Vorsitzender beim TSV) und Alfred Hohmann schafften es nämlich, die Rheinländer, die zu dieser Zeit gerade ihr Trainingslager in Grünberg abhielten, für einen niedrigen, fünfstelligen DM-Betrag in die Rhön zu locken. Bei 3200 Zuschauern ist leicht auszurechnen, dass für die Hilderser die ein oder andere Mark hängen blieb.

Zumal der Verein Glück hatte. Klaus Mazzuchelly, ein Jahr vorher gemeinsam mit Bruder Roland vom SV Tann nach Hilders gewechselt, erinnert sich noch genau: „An diesem Tag war zunächst richtig schlechtes Wetter. Es hatte stark angefangen zu regnen und wir hatten alle so ein bisschen bedenken. Aber pünktlich vor dem Spiel hatte es aufgehört und die Zuschauer kamen wirklich in Massen. Das bleibt unvergessen.“ Nie vorher und auch nie mehr danach kam in Hilders eine solche Kulisse zustande.

m gemeinsamen Abendessen im Deutschen Haus in Hilders: Kölns Torwart Toni Schumacher (rotes Shirt) und der junge Bernd Schuster
Zwei spätere Weltstars beim gemeinsamen Abendessen im Deutschen Haus in Hilders: Kölns Torwart Toni Schumacher (rotes Shirt) und der junge Bernd Schuster (rechts, später Real Madrid, FC Barcelona). © privat

Rekordhalter Dieter Müller schoss vier Tore

Klaus Mazzuchelly verpasste es, sich selbst „unsterblich“ zu machen, als er das 1:0 für das Team aus der damaligen A-Klasse Mitte (heute Kreisoberliga Mitte) auf dem Fuß hatte. „Die Flanke von Rudolf Günkel kam von rechts, ich stand im Strafraum und habe den Ball aus zwölf Meter direkt genommen. Da hätte der Toni Schumacher ganz schön blöd geguckt. Aber das Ding ging ein paar Zentimeter drüber“, sagt Mazzuchelly über seinen Fehlschuss.

Trotzdem machte die Auswahl ein klasse Spiel, hielt das Ergebnis in Grenzen. Mit vier Toren erschoss Dieter Müller die Hilderser in diesem Spiel nahezu alleine. Ohne seine Tore hätte die Auswahl bis weit in die zweite Halbzeit ein 0:0 gehalten. Wissenswert: Bis heute hält Müller einen damals frisch aufgestellten Bundesliga-Rekord. Beim 7:2 der Kölner gegen Werder Bremen im August 1977 erzielte Dieter Müller sechs Tore in einem Spiel. Das schaffte bis heute kein zweiter Spieler mehr in der Bundesliga.

Lustige Rand-Anekdote: Zum „Bratwursttester“ wurde Kölns Belgier Roger van Gool. Der Flügelspieler, zu dieser Zeit drei Jahre in Köln, hatte seinen Stammplatz verloren, wechselte später zu Coventry City. Er war in Hilders dabei, spielte aber nicht. Im Trainingsanzug „schlich“ van Gool um den Platz. Klaus Mazzuchelly erinnert sich: „Er ist von Bratwurststand zu Bratwurststand gegangen und hat überall ein Würstchen probiert. Die Leute haben damals geschmunzelt, sich aber auch gewundert.“

TSV Hilders (1. Halbzeit): Eberhard Klüber; Rudi Vey, Alfred Günkel, Rudolf Günkel, Roland Mazzuchelly, Klaus Mazzuchelly, Hansi Mehler, Reinhold Staubach (alle TSV Hilders), Karl-Otto Wagner (FSV Schwarzbach), Helmut Pokrzewinski (SV Hofbieber), Jochen Hildebrand (SG Dipperz).

TSV Hilders (2. Halbzeit): Peter Ortmann (FSV Schwarzbach); Norbert Auth (SG Elters), Ewald Faulstich I, Ewald Faulstich II, Roland Mazzuchelly, Klaus Mazzuchelly (60. Alberto Horvarth), Rainhold Staubach (60. Hubert Greiner, alle TSV Hilders), Karl-Otto Wagner (FSV Schwarzbach, 76. Ludwig Mehler, TSV Hilders), Helmut Pokrzewinski (SV Hofbieber), Uli Schleicher (SKG Gersfeld), Jochen Hildebrand (SG Dipperz, 68. Lothar Heißenberg, SV Tann).

1. FC Köln: Toni Schumacher (46. Gerry Ehrmann); Dieter Prestin, Thomas Kroth (46. Jürgen Willkomm), Gerd Strack, Bernd Schuster, Bernd Cullmann, Jürgen Mohr (70. Holger Willmer), Yasuhiko Okudera, Herbert Neumann, Pierre Littbarski, Dieter Müller.

Schiedsrichter: Helmut Hamperl (SG Sickels).

Zuschauer: 3200.

Tore: 0:1 Dieter Müller (17., Foulelfmeter), 0:2 Dieter Müller (33.), 0:3 Dieter Müller (63.), 0:4 Dieter Müller (71.), 0:5 Bernd Schuster (73.), 1:5 Hubert Greiner (88.), 1:6 Pierre Littbarski (89.).

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