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Witz-Entscheidung: „Türken“ werden von Schiedsrichter verschaukelt

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Von: Johannes Götze

Erst seit diesem Winter spielt Kemal Sarvan (Bildmitte) für den Türkischen SV. Sein erstes Pflichtspiel hätte er sich garantiert anders vorgestellt. Denn
Erst seit diesem Winter spielt Kemal Sarvan (Bildmitte) für den Türkischen SV. Sein erstes Pflichtspiel hätte er sich garantiert anders vorgestellt. © Siggi Larbig

Nach dem Spiel zwischen der FSG Kiebitzgrund/Rothenkirchen und dem Türkischen SV (3:0) herrscht Redebedarf, denn die „Türken“ dürfen sich durchaus verschaukelt fühlen – doch die Rechtslage ist nach einer Witz-Entscheidung des Schiedsrichters verzwickt. 

Was war passiert? Beim Stand von 1:0 bekamen die Gäste einen Foulelfmeter zugesprochen, den Star-Neuzugang Kemal Sarvan in aller Souveränität verwandelte. Doch der Schiedsrichter ließ den Versuch wiederholen – ein Mitspieler Sarvans war zu früh in den Strafraum gelaufen. Eine korrekte Entscheidung. Also von vorne: Sarvan lief an, verwandelte erneut eiskalt und wieder pfiff der Schiedsrichter ab, verhängte diesmal jedoch einen indirekten Freistoß für die FSG. Diesen führte der Gastgeber schnell aus und erzielte kurz später gegen noch immer baff wirkende Gäste das 2:0. 

„Türken“ hadern mit Schiedsrichter und sich selbst nach Witz-Entscheidung

Wieso der erfahrene Schiedsrichter einen indirekten Freistoß verhängte, erklärte er nachher den erstaunten Beteiligten: Wiederum sei ein Spieler zu früh eingelaufen, zudem habe Sarvan bei seinem Versuch regelwidrig die Schussbewegung ausgesetzt und damit unsportlich gehandelt. Der Schiedsrichter fertigte hierzu einen Sonderbericht an, was die Situation überhaupt nicht erforderte.

Nur: Die Gäste hatten die Szene gefilmt. Und der Videobeweis zeigt, dass Sarvan in beiden Versuchen nicht ansatzweise eine Unterbrechung der Schussbewegung vorgeworfen werden kann. Vielmehr waren beide Versuche regelkonform. Was hingegen stimmt: Sogar beim zweiten Versuch lief ein Gästespieler zu früh in den Strafraum ein, weshalb der Unparteiische als „Strafe“ Sarvan zum dritten Male hätte anlaufen lassen müssen. Den indirekten Freistoß zu verhängen, war hingegen eine Fehlentscheidung. Lest hier: Nach Rassismus-Vorfall wird Fuldaer identifiziert.

Der Schiedsrichter soll das entscheiden, was er auch sieht.

Ibrahim Kücükler, Türkischer SV

Um jedoch durch einen Einspruch Aussichten auf Erfolg, ergo eine Spielwiederholung zu erhalten, müsste dem Schiedsrichter ein Regelverstoß nachgewiesen werden. Der liegt aber nicht vor, sondern vielmehr ein Wahrnehmungsfehler und somit eine Tatsachenentscheidung. Da hilft nicht einmal das Bildmaterial weiter. Was das Video ebenfalls zeigt: Sarvan wurde vom Schiedsrichter für die vorgebliche unsportliche Ausführung des Strafstoßes nicht verwarnt, ja nicht einmal angesprochen – obwohl das unsportliche Ausführen eines Strafstoßes eigentlich eine Pflichtverwarnung nach sich zieht.

Vielmehr zeigt der Schiedsrichter eindeutig auf den Spieler, der zu früh einlief. Nicht nur für Ibrahim Kücükler, Sportlicher Leiter des Türkischen SV, wirkt deshalb die Darstellung des Schiedsrichters konstruiert, um so die eigene Fehlentscheidung zu kaschieren. „Ich spiele schon lange Fußball, aber so etwas ist mir noch nicht passiert. Ich weiß, dass wir um jeden Schiedsrichter froh sein müssen, aber sie sollen bitte das entscheiden und begründen, was wirklich passiert ist.“ Offen ist, ob der Türkische SV fast ohne Erfolgsaussichten Einspruch einlegen wird, zumal Kücükler fair sagt, „dass mich unser Auftritt noch viel mehr ärgert. Wir haben verdient verloren.“ Lest hier: Geteilte Kreioberliga Mitte, so kurios ist die Ausgangssituation.

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