Sreto Ristic, Trainer der Kickers Offenbach, scheint trotz gutem Punkteschnitt nicht ganz unumstritten.
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Sreto Ristic (links), Trainer der Kickers Offenbach, scheint trotz gutem Punkteschnitt nicht ganz unumstritten.

OFC Saisonanalyse der Führungsgremien umfasst drei zentrale Themenfelder

Kann Ristic tatsächlich Aufstieg?

Offenbach – Die letzte Auswärtsfahrt in dieser Regionalliga-Saison steht an für die Fußballprofis der Offenbacher Kickers. Weit mehr als die Partie am Samstag (14 Uhr) beim VfB Stuttgart II beschäftigt in diesen Tagen die Verantwortlichen des Tabellendritten die Zukunft.

Noch lassen sich die Führungsgremien, bestehend aus Präsidium und Aufsichtsrat des OFC, nicht in die Karten schauen bei ihrer angekündigten Analyse der Saison, berichtet op-online.de. Es gilt, drei zentrale Themenfelder abschließend zu erörtern und für die Zukunft zu bewerten. Ein Überblick:

Geschäftsführung: Seit November 2019 ist Thomas Sobotzik im Amt. Der Ex-Profi, der zuvor den Chemnitzer FC in gleicher Funktion zum Aufstieg in die 3. Liga geführt hatte, genießt auf der Geschäftsstelle einen guten Ruf als umsichtiger und verantwortungsvoller Chef. Auch seine sportliche Expertise ist anerkannt. In seiner Amtszeit waren drei Trainer (Steven Keßler, Angelo Barletta und Sreto Ristic) angestellt. Der 47-Jährige managte einen ersten großen Umbruch in der Rückrunde der Corona-Abbruchsaison 2019/20, der sich im Sommer 2020/21 fortsetzte und etwas überraschend auch vor dieser Spielzeit größere Ausmaße annahm. Insgesamt 34 Spieler verpflichtete er in seiner Zeit, 32 verließen den OFC. Sein Verhältnis zur Regionalliga Südwest GbR gilt nach einer Reihe von öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten als angespannt. In der vergangenen Saison hatte Sobotzik ligaweit mit geschätzten drei Millionen Euro einen der höchsten Etats zur Verfügung. Lediglich Spitzenreiter SV Elversberg hatte noch etwas mehr Mittel zur Verfügung.

Trainer: Sreto Ristic kam im Januar 2021 als Nachfolger von Angelo Barletta zum OFC. In der Mammutsaison mit 42 Spielen führte der 46-Jährige die Kickers auf Rang drei hinter Aufsteiger SC Freiburg II und der SV Elversberg. Sobotzik kennt Ristic aus gemeinsamen Zeiten beim Chemnitzer FC. Dort war Ristic vorwiegend als Assistent unter Horst Steffen (heute Elversberg) und David Bergner aktiv. Sobotzik hatte ihn bei seiner Vorstellung als Hirn des Aufstiegsteams bezeichnet. Ristics Bilanz von Januar bis Juni 2021 (64 Punkte aus 27 Spielen/Schnitt: 2,37) bei OFC war stark, reichte aber letztlich nicht mehr zum Happy End. In der aktuellen Saison kommt er auf 70 Punkte aus 34 Spielen, der Punkteschnitt sank auf 2,05 Zähler. Zum Vergleich: Elversberg kommt aktuell auf einen Schnitt von 2,23 Zählern. Ristic hatte wie Sobotzik vor der Fortsetzung der Rückrunde seinen Vertrag vorzeitig verlängert. Intern steht er nach einer Saison, in der trotz vieler Widrigkeiten (bis zu neun Langzeitausfälle, Corona-Ausbruch im Frühjahr) mehr drin war als Platz drei, auf dem Prüfstand. Die Frage, die sich die Verantwortlichen stellen: Kann Ristic tatsächlich Aufstieg? In der kommenden Saison wird der Druck nochmals höher, die Erwartungshaltung nach zehn Jahren Regionalliga weiter steigen. Ristic, ein Freund bedächtiger Worte, müsste von Beginn an die Mission Meisterschaft offensiv leben. Bei den Fans steht er in dieser Spielzeit wegen zu defensiver Grundordnung in der Kritik. Die reinen Zahlen sprechen für ihn: Mit 59 Treffern hat der OFC den zweitbesten Angriff der Liga, 24 Gegentore sind Bestwert.

Kader: 16 Spieler stehen über die Saison hinaus unter Vertrag, darunter in Kapitän Sebastian Zieleniecki der Akteur, der über jeden Zweifel erhaben ist. Der 27-jährige Pole soll nach unseren Informationen zwar Angebote höherklassiger Klubs besitzen. Weil sein Vertrag keine Ausstiegsklausel beinhaltet, könnte aber die Ablöse abschrecken. Im derzeit verletzten Stephan Flauder und seinem stark auftrumpfenden Vertreter David Richter stehen zwei starke Keeper unter Vertrag. Gültige Kontrakte haben zudem die Stammspieler Ronny Marcos, Jayson Breitenbach, Osarenren Okungbowa, Paul Milde, Maik Vetter, Florent Bojaj, der stark umworbene Denis Huseinbasic, Rafael Garcia, Philipp Hosiner und Dejan Bozic. Dazu kommen die Ergänzungsspieler Enes Zengin, Vincent Moreno Giesel und Mateo Andacic. Offen ist die Zukunft der lange verletzten Verteidiger Moody Chana und Malte Karbstein. Im Mittelfeld und auf den offensiven Positionen steht womöglich die größte Fluktuation an: Die Zukunft von Tunay Deniz, Serkan Firat, Lucas Hermes, Davud Tuma, Elsamed Ramaj, Christian Stark, Mathias Fetsch und Elia Soriano gilt als ungeklärt. Es könnte so oder so wieder zu einem großen Umbruch kommen.

Von Jörg Moll

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