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Barockstadt-Kapitän Patrick Schaaf über Krankheit, Trainingslager und die Regionalliga

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Von: Ralph Kraus

Fußball 2021-2022/Hessenliga Gr.A 2021-2022/SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (schwarz) - FC Bayern Alzenau (weiss)
Ein Kapitän mit Herz und Leidenschaft: Hier knuddelt Patrick Schaaf nach einem Treffer seinen Mitspieler Kevin Hillmann. © Charlie Rolff

Regionalliga-Aufsteiger SG Barockstadt hat sein viertägiges Trainingslager am Störmthaler See beendet. Wir sprachen mit Kapitän Patrick Schaaf. Der 33-Jährige wagt einen Ausblick - sportlich wie persönlich.

Wie ist das Trainingslager aus Ihrer Sicht gelaufen?

Wir können zufrieden sein. Als Mannschaft haben wir hart gearbeitet, es gab außer ein paar Blessuren keine Verletzungen. Im Test gegen Meuselwitz haben wir einen guten Eindruck hinterlassen. Alle sind müde, aber die Tage haben sich gelohnt.

Hinter Ihnen liegt eine schwere Herzmuskelentzündung. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Es war keine leichte Zeit. Von Anfang Oktober an musste ich gut sieben Monate pausieren. Das ist etwas anderes als ein Kreuzbandriss. Da darfst du zwischendurch schon wieder Sport machen und joggen. Diesmal hatte ich komplett Sportverbot. Zwischendurch war es unklar, ob das mit dem Fußball überhaupt noch mal funktioniert. Das war alles sehr schwierig.

Ist der Kopf wieder frei?

Ich habe ein gutes Gefühl dafür, was so in meinem Körper los ist, ob es mir gut geht, oder nicht. Aber reinschauen kannst du eben auch nicht. Mittlerweile sind alle Gedanken dahingehend wieder weg. Es war schon schön, dass ich beim Aufstieg wieder dabei sein konnte. Ursprünglich hatte ich mir ja erst die neue Saison wieder als Ziel gesetzt.

Wenn wir die Aufstiegseuphorie und die gute Stimmung innerhalb des Teams mal beiseitelegen: Wie schwer wird es, die Liga zu halten?

Die Regionalliga ist ein anderes Brett als die Hessenliga. Da sind viele dabei, die hauptberuflich Fußball spielen. Die trainieren zweimal am Tag, obwohl auch wir die Trainingseinheiten aufgestockt haben. Dann kommen die familiären und beruflichen Themen dazu. Wir haben Respekt vor der Aufgabe, aber keine Angst. Wichtig ist, dass wir keine Unruhe ins Team bekommen, auch wenn es mal nicht so läuft.

Die Regionalliga scheint ausgeglichener denn je. Man sieht kaum potenzielle Abstiegskandidaten.

Das ist tatsächlich so. Oben in der Spitze werden sich Mannschaften abheben. Ulm oder Offenbach haben eine andere Qualität. Viel kommt darauf an, wie du Rückschläge wegsteckst oder wie viele Verletzte du bekommst. Wir haben einen großen Vorteil, dass der Stamm der Aufstiegs-Mannschaft komplett zusammen geblieben ist. Man kennt sich seit Jahren, weiß, wie man miteinander umzugehen hat. Das ist auch eine Aufgabe für uns erfahrenen Spieler – nicht nur für mich als Kapitän.

Die meisten Neuzugänge sind jung. Wie versucht der Kapitän, auf die neuen Spieler einzuwirken?

Ich lasse die erstmal alle in Ruhe. Die Jungs sollen zunächst ihr Ding machen und ankommen. Aber es gibt als junger Spieler ein paar Dinge, die man einfach machen muss. Da geht es um Materialdienste, das genügend Wasser da ist und sie haben grundsätzlich erst einmal die Klappe zu halten. Ansonsten geht es darum, dass sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren. Das beobachte ich natürlich genau.

Sie sind zehn Jahre in Lehnerz und bei der SG Barockstadt. Rückblickend – welche Entwicklung erkennen Sie?

Eine enorme: Ich kam ja in der Verbandsliga. Damals mussten wir noch selbst waschen, haben nach dem Training noch die Waschmaschine angeschmissen. Das kann man mit heute nicht mehr vergleichen. Damals war das noch laienhaft, amateurhaft. Aber das war auch okay für damals. Auch fußballerisch war das eine andere Hausnummer. Wir haben über eine gute Defensive schnell gekontert. Mit dem Zusammenschluss sind wir dann deutlich spielstärker geworden, haben meist die Kontrolle im Spiel gehabt.

Sie waren in Gladbach und Frankfurt zweimal dicht dran am „großen Fußball“. Was hat bei Ihnen letztlich gefehlt?

In der B-Jugend haben wir in Gladbach um die Deutsche Meisterschaft gespielt, in der A-Jugend war ich Kapitän. Ich war tatsächlich nah dran, war bei Testspielen oft mit den Profis unterwegs. Also habe ich auch einiges richtig gemacht. Aber mir fehlte ein bisschen die Geschwindigkeit, dann hatte ich auch Pech mit einem Syndesmosebandriss. Vom fußballerischen hätte es gereicht. In der Hessenliga gibt es etliche Spieler, von denen ich behaupte, dass sie fußballerisch besser sind als viele Profis. Aber da fehlen dann – so wie bei mir – vielleicht andere Gegebenheiten. Aber ich habe als junger Kerl auch Fehler gemacht.

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