Da ist das 1:0 – und Kevin Dicklhuber hat es für die Stuttgarter Kickers erzielt. Da feiert Denis Zagaria gerne mit.
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Da ist das 1:0 – und Kevin Dicklhuber hat es für die Stuttgarter Kickers erzielt. Da feiert Denis Zagaria gerne mit.

Stadtallendorf (fast) chancenlos

Stuttgarter Kickers schließen Tor zur Regionalliga Südwest weit auf

Die Stuttgarter Kickers haben in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Südwest eindrucksvoll vorgelegt: Gegen Hessenliga-Vize TSV Eintracht Stadtallendorf gelang ein hochverdienter und (fast) nie gefährdeter 3:0 (2:0)-Sieg.

Dass der TSV Eintracht Stadtallendorf nach Hessenliga-Meister SG Barockstadt als zweites hessisches Team in diesem Sommer in die Regionalliga Südwest folgt? Nach der Auftaktniederlage bei den Stuttgarter Kickers höchst unwahrscheinlich, denn nur eines von drei Teams steigt in der Aufstiegsrunde auf. Drittes Team im Bunde ist – Stand jetzt – der SV Eintracht Trier, den Stadtallendorf am Samstag (14 Uhr) empfängt. Das alles entscheidende Spiel steigt am kommenden Dienstag (19 Uhr), wenn die Kickers in Trier zu Gast sind.

Regionalliga Südwest: Stuttgarter Kickers erspielen sich hervorragende Ausgangsposition

Warum sich die Kickers eine richtig gute Ausgangsposition erspielten? Das Team um Coach Mustafa Ünal steckte den vergangenen Samstag hervorragend weg, als das Team aufgrund einer Fehlinformation für Augenblicke schon die Meisterschaft in der Oberliga Baden-Württemberg gefeiert hatte, bevor Fans und Team die bittere Nachricht ereilte, dass Konkurrent SGV Freiberg doch gewonnen hatte und somit direkt aufgestiegen war.

Ein für Stadtallendorf gewohntes Bild an diesem Abend: Kevin Bartheld (rechts) muss den Stuttgarter Kickers, wie hier Nico Blank, hinterherlaufen.

Die Kickers waren von Minute eins das bessere Team und agierten extrem druckvoll. TSV-Torwart Tolga Sahin musste bereits nach vier Minuten gleich zweimal zupacken, als erst Konrad Riehle und dann Nico Blank jeweils aus spitzem Winkel an ihm scheiterten. Apropos Riehle: der 20-jährige Linksaußen war neben Mittelstürmer Kevin Dicklhuber in Durchgang eins entscheidender Faktor, dass das Pendel zugunsten der Gastgeber ausschlug. Mit irrem Tempo und hoher Variabilität stellte er die extrem wacklige Stadtallendorfer Defensive immer wieder vor Herausforderungen und erzielte das 2:0 nach Steckpass von Dicklhuber selbst (31.). Die Führung hatte sich Dicklhuber auf die eigene Fahne schreiben können, weil er TSV-Innenverteidiger Perry Ofori gut kreuzte, so einen Foulelfmeter an der Strafraumkante herausholte und den dann trocken selbst im linken Eck verwandelte. Und bis zur Pause hätte es sogar 3:0 oder 4:0 stehen. Das dickste Ding vergab Dicklhuber, der einen Kopfball aus kurzer Distanz und leerem Tor nicht entscheidend nach unten drücken konnte (40.).

Der Fahrplan:

Stuttgarter Kickers – Eintracht Stadtallendorf 3:0
Samstag, 14 Uhr: Eintracht Stadtallendorf – Eintracht Trier
Dienstag, 19 Uhr: Eintracht Trier – Stuttgarter Kickers

Die Kickers ließen aber auch nach der Pause nicht nach, waren nach Standards und aus dem Spiel heraus immer wieder gefährlich. Und sie hatten Selbstvertrauen: Dicklhuber nahm sich gleich mal einen Freistoß aus 35 Metern und bei dem musste sich Sahin strecken (47.). Bis das dann wirklich alles entscheidende 3:0 fiel, verging aber noch eine halbe Stunde, dann aber verwertete David Braig eine scharfe Hereingabe von Marian Riedinger (76.).

TSV zweimal gefährlich – zweimal ist Cecen beteiligt

Und Stadtallendorf? Gegen die Vollprofis der Kickers waren die „Amateure“ aus Mittelhessen vorher klarer Underdog und konnten diese Rolle auch aufgrund eines klaren Qualitätsvorteils beim Gastgeber nicht ausnutzen. Und weil Goalgetter Del Angelo Williams zwar nach Rotsperre zurückkam, aber früh an der Hüfte angeschlagen war und letztlich in der Halbzeit ausgewechselt werden musste, fehlte zudem nach vorne eigene Qualität. Zwei Szenen aber hätten dem Spiel einen anderen Drive verleihen können: Einmal, als Timo Cecen aus gut 20 Metern abzog und Kickers-Keeper Ramon Castellucci Schwierigkeiten bekam, den Ball am Tor vorbeizulenken. Es wäre das 0:1 gewesen (10.). Und als Cecen kurz nach der Pause einen klasse Ball spielte, Joker Mirco Geisler aber ein paar Zentimeter zum Ball fehlten, um den 1:2-Anschluss zu erzielen (50.).

Zwei Deutsche Meister des VfB schauen vorbei

Dass die Stuttgarter Kickers kein Fünftligist von der Stange sind, wurde nicht nur wegen der hervorragenden Kulisse deutlich: 5230 Zuschauer kamen bei echtem Schmuddelwetter ins Gazi-Stadion auf der Waldau und machten Stimmung wie in Liga drei. Mit dabei: Eike Immel und Eberhard „Ebbo“ Trautner und damit die beiden Torhüter der 92er-Meistermannschaft des Lokalrivalen VfB Stuttgart. Beide hatten sich schon ein paar Wochen zuvor in Stuttgart wiedergesehen, als sich die Meistermannschaft von einst traf. Verrückt: Beide spielten nie für die Kickers, allerdings stand Trautners Sohn Tobias in der Jugend und bis 2021 erneut beim SV Kickers im Tor, während Immel den Gästen die Daumen drückte: sein Heimatverein ist der TSV Eintracht Stadtallendorf.

Trier legt im Rechtsstreit nach

Weiter geht es nun am Samstag um 14 Uhr: dann empfängt Stadtallendorf den SV Eintracht Trier – das dritte Team im Bunde. Allerdings hat Eintracht Trier, Vize der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, noch immer ein Hühnchen mit der Sportgerichtsbarkeit zu rupfen. Denn nachdem am Dienstag in einem Rechtsstreit eine Beschwerde von Trier gegen Spielwertungen in der abgelaufenen Saison durch das Verbandsgericht des Fußball-Regional-Verband Südwest zurückgewiesen worden war, hat der Verein jetzt entschieden, die nächsthöhere Rechtsinstanz anzurufen: das Schiedsgericht des Regionalverbandes. Ziel der Trierer ist es, eine Quotientenreglung der abgelaufenen Saison herbeizuführren. Dann wäre Trier und nicht Wormatia Worms Meister. Viel Zeit bleibt dem Schiedsgericht nicht, sollte die Aufstiegsrunde regulär vonstattengehen.

Die Statistik:

SV Stuttgarter Kickers: Castellucci; Riedinger, Zagaria, Kolbe, Kammerbauer – Campagna, Blank (79. Leist) – Braig (87. Obermoster), Colic (73. Tunic), Riehle (73. Baroudi) – Dicklhuber (87. Eroglu).
TSV Eintracht Stadtallendorf: Sahin; Schütze (77. Pape), Phillips, Ofori (67. Lindenthal), Schadeberg – Zildzovic, Bartheld (67. Markovic) – Heuser, Cecen, Sattorov – Williams (46. Geisler).
Schiedsrichter: Jan Dennemärker (FV Schwarzenholz).
Zuschauer: 5230.
Tore: 1:0 Kevin Dicklhuber (21., Foulelfmeter), 2:0 Konrad Riehle (31.), 3:0 David Braig (76.).

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