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„Leid gewohnt“: Das sind die Stuttgarter Kickers

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Von: Tobias Konrad

Die Stuttgarter Kickers lechzen nach der Rückkehr in die Regionalliga Südwest.
Die Stuttgarter Kickers lechzen nach der Rückkehr in die Regionalliga Südwest. © dpa, Sebastian Gollnow

Die Stuttgarter Kickers. Ein deutscher Traditionsverein. Seit einigen Jahren in der Oberliga angekommen, schiebt sich der Club aus Baden-Württemberg nun an, über die Aufstiegsrunde die Rückkehr in die Regionalliga Südwest zu fixieren.

Brutaler konnte der Samstag für alle, die es mit den Kickers halten, nicht laufen. Das eigene Spiele in Dorfmerkingen wurde 3:1 gewonnen. Die Aufstiegsrunde war längst klar, doch bei einem Patzer der SGV Freiberg hätte die Meisterschaft gestanden. Dann die Nachricht, die die „Blauen“ eskalieren ließ. Abpfiff, Freiberg nur 1:1. Die Fans stürmten den Platz. Nur Minuten später: pure Trauer. Freiberg traf in Nöttingen in der vierten Minute der Nachspielzeit zum Sieg. Dass die Partie noch lief, war keinem Stuttgarter bewusst. Erinnerungen an den FC Schalke 04 und die Vier-Minuten-Meisterschaft von 2001 wurden wach.

„Konnte mit Spielern und Verantwortlichen fühlen“

Einer, der den Nackenschlag hautnah miterlebte, ist der heutige Gast-Trainer. Stadtallendorf-Coach Dragan Sicaja war vor Ort und traute seinen Augen nicht: „Das es solche Dinge in der heutigen modernen Welt noch gibt, ist eigentlich unfassbar. Ich konnte mit den Spielern und Verantwortlichen in dem Moment fühlen. Ein brutaler Nackenschlag.“ Inwiefern sich dieser auf die Aufstiegsrunde auswirkt, vermag Sicaja nicht zu sagen. „Es kann positive Signale freisetzen, jedoch genauso gut in die andere Richtung kippen.“ Der 55-Jährige muss es wissen, verpasste er mit seinem Team ebenfalls nach einem Herzschlagfinale die Meisterschaft.

Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald, Fredi Bobic

Die Kickers prägen seit jeher emotionale Fans. „Auf die Blaue“ lautet der Slogan des Vereins, der wie seine Anhänger „Leid gewohnt ist“. Nicht nur beim jüngst verpassten Meistertitel äußerten sich die Fans mit diesen Wörtern des Öfteren auf den sozialen Kanälen. Seitdem die Stuttgarter 2018 in der Oberliga angekommen sind, wurden Jahr für Jahr denkbar knapp der Aufstieg verpasst. Selbst bei den Abstiegen aus der Bundesliga 1989 und 1992 ging es jeweils dramatisch zu, denn erst war die schlechtere Tordifferenz ausschlaggebend, ehe ein Punkt fehlte. Immerhin darf sich der Club aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt Zweiliga-Meister nennen. Eine weitere Trophäe gesellte sich erst vor wenigen Wochen in den Schrank. Im Landespokal schlugen die Kickers im heimischen Stadion auf der Waldau – dem ältesten Stadion Deutschlands – Regionalligist SSV Ulm mit 5:4 nach Elfmeterschießen und nehmen somit zur neuen Saison am DFB-Pokal teil.

Neben berühmten Persönlichkeiten wie Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald oder Fredi Bobic, die allesamt für den Verein aktiv waren, war ein im Hessenlande bekanntes Gesicht Trainer des 1899 gegründeten Clubs. Alfred Kaminski, Ex-Barockstadt-Coach und jetziger Leiter der OFC-Nachwuchsabteilung, hatte 2016 für einige Monate das Sagen bei den Stuttgarter Kickers.

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