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„Gewünscht, dass er länger Verantwortung übernimmt“

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Von: Tino Weingarten

TSV Eintracht Stadtallendorf gegen TSV Steinbach Haiger
Ein schneller Abschied: Ersan Parlatan hat den TSV Steinbach Haiger verlassen, um Co-Trainer beim 1. FC Nürnberg werden zu können. © Stefan Tschersich

Der TSV Steinbach Haiger hatte sich nach einem Fehlstart in die neue Saison der Regionalliga Südwest gerade stabilisiert, als Trainer Ersan Parlatan den Verein verlässt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Parlatan Abgangsgedanken hegte. Bereits im Sommer vermeldete der türkische Zweitligist Samsunspor den 45-Jährigen als neuen Trainer. Steinbach Haiger stellte sich quer, es kam zu keiner Einigung. Drei Monate später wird Parlatan Co-Trainer unter Robert Klauß beim 1. FC Nürnberg. Arne Wohlfarth, Geschäftsführer des Regionalligisten, äußert sich im Interview zum Abgang des Trainers, Interimstrainer Hüsni Tahiri und auf welchen Nachfolger der TSV setzen möchte.

Herr Wohlfarth, am Freitag beim 2:1-Erfolg in Worms saß Ersan Parlatan noch auf der Bank. Wann hat er um seine Freigabe gebeten?

Am Sonntag nach dem Spiel gegen Trier sind wir über das Interesse der Nürnberger informiert worden. Bis Donnerstag hatte sich das dann konkretisiert. Ersan bat darum, dass wir ihm die Möglichkeit geben, die neue Herausforderung anzunehmen. Wir wollten das nicht und haben von Anfang an kommuniziert, dass wir mit ihm weiterarbeiten wollen. Mit jedem weiteren Tag hat sich die Situation und die Rhetorik verändert. Ersan hat uns relativ deutlich signalisiert, dass er das machen will. Seit Donnerstag ging es für uns darum, eine Lösung zu finden, die uns den Verlust etwas abfedert.

Schon im Sommer gab es Gerüchte um einen Abgang. Hatten Sie den Eindruck, die Zeit mit Ersan Parlatan schien endlich?

Den Eindruck hatte ich nicht. Wir haben die Geschichte mit dem Angebot von Samsunspor im Juni gemeinsam abgehakt. Das hatte er auch verstanden und akzeptiert. Er hat viel Vertrauen von uns bekommen, was er auch zurückgezahlt hat. Dass es für uns natürlich schwierig werden könnte, Ersan über den 30. Juni 2023 hinaus zu halten, war mir bewusst. Den Versuch hätten wir unternommen, ihm langfristig etwas aufzuzeigen. Aber dass jemand, der die Qualitäten und das Netzwerk von ihm hat, Begehrlichkeiten weckt, ist klar. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass er aber für dieses Projekt länger Verantwortung übernimmt und nicht nach vier Spieltagen einen Wechselwunsch äußert.

Co-Trainer Hüsni Tahiri wird interimsweise der Nachfolger. Das hat schon einmal gut geklappt.

Die Mannschaft ist bei ihm in guten Händen. Hüsni muss die Fundamente, die gelegt sind, weiter ausbauen. Er hat mit Ersan eng zusammengearbeitet. Deshalb sind wir da ganz entspannt und wissen, dass er den eingeschlagenen Weg konsequent weiter geht. Gleichzeitig hat er nicht die nötige Lizenz, um in der Regionalliga zu arbeiten, deshalb sind wir auf der Suche nach einem Nachfolger.

Wäre er jemand für das Amt des Cheftrainers, wenn er seine Lizenzen in der Tasche hat?

Hüsni ist seit 2013 bei uns im Verein, er ist sozusagen unser Local Hero. Er ist absolut anerkannt, kennt jeden Stein bei uns. Natürlich ist es unser Ziel, ihn weiter aufzubauen. Definitiv zu sagen, dass er in fünf Jahren der neue Cheftrainer ist, wäre unseriös, aber er bringt Vieles mit, was ihn zu einem guten Trainer machen könnte.

Welches Profil braucht der neue Trainer?

Die Mannschaft ist von Ersan gut zusammengestellt worden. Aufgrund des Zeitpunktes ist es klar, dass wir einen Trainer brauchen, der mit dieser Mannschaft den eingeschlagenen Weg fortführt. Es macht keinen Sinn, jetzt alles verändern zu wollen. Neben der sportlichen Kompetenz muss der neue Trainer natürlich auch menschlich passen und den Verein und unsere Strukturen annehmen.

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