1. torgranate
  2. Verbandsliga
  3. Verbandsliga Nord

Okyeres lapidarer Satz und seine Folgen

Erstellt:

Von: Tobias Konrad

Alexander Okyere SG Bad Soden
Alexander Okyere als Torwart? Zumindest kann der Sodener Außenverteidiger sowohl das Torwarttrikot (links) als auch das des Spielers tragen. © privat, Charlie Rolff

„Mein Vater war früher Torwart.“ Ein Satz, den Alexander Okyere am Sonntag lapidar in die Runde äußerte, als sich die Frage stellte, wer denn das Tor von Verbandsligist SG Bad Soden hüten könne. Die Konsequenz bekam der 22-Jährige sofort aufs Brot geschmiert.

Minute 40 der Verbandsligapartie zwischen der SG Hombressen/Udenhausen und der SG Bad Soden: Niklas Büchner, Sodens Keeper, fällt in seinem ersten Verbandsligaspiel unglücklich auf die Schulter. Höllische Schmerzen hat der Youngster. Sofort war klar, dass es nicht weitergeht. Wem das die meisten Sorgen bereitete? Seinem Trainer Anton Römmich. Der hatte nämlich nur Büchner als Torwart mit nach Nordhessen genommen. „Mein Bruder fragte mich noch am Tag zuvor, ob ich mir sicher sei. Ich war es und entgegnete, dass wir das eine Spiel irgendwie über die Bühne bekommen“, sagte Römmich. Doch hätte er mal lieber auf seinen Bruder Wladimir gehört. Der Sportliche Leiter hatte wohl bereits eine Vorahnung.

Mit dieser Aktion war klar, dass wir das Spiel wuppen.

Alexander Okyere zu seiner Parade.

Zurück nach Hombressen. Die wenigen Minuten bis zur Halbzeit verbrachte Offensivspieler Lukas Ehlert zwischen den Pfosten. Eine Dauerlösung war das nicht. Und so sprach Okyere den folgenschweren Satz aus. Auf der Ersatzbank war sofort klar, wer in Durchgang zwei ins Tor muss. Der Außenverteidiger zog sich Handschuhe, Trikot und Hose an. Ein paar Bälle in der 15-minütigen Pause zum warm werden. Und plötzlich mittendrin im Geschehen. „Ich war die Woche vorher krank und habe wenn überhaupt nur mit ein paar Minuten zum Ende hin gerechnet. Aber wenn das Team mich braucht, mache ich das gerne“, sagt der 22-Jährige, der fünf Minuten nach Wiederanpfiff große Aktien am späteren 4:1-Sieg hatte.

Großen Augen bei den Teamkollegen

Beim Stand von 1:1 nämlich hatten die Gastgeber einen Freistoß an der Strafraumecke. Der Ball geht aufs kurze Eck, Okyere hechtet und kratzt den Ball über die Latte. Ungläubiges Staunen über die Tat, Okyeres erster Blick ging in Richtung der sich neben dem Pfosten warmlaufenden Christian Pospischil und Daniele Fiorentino, die große Augen machten. „Ich habe mich selbst gefragt, wie ich den gehalten habe. Mit dieser Aktion war klar, dass wir das Spiel wuppen. Die Aufregung war komplett weg“, schildert der Youngster mit ghanaischen Wurzeln. Die Handschuhe hatte er übrigens zuletzt in der E-Jugend an. Ein Probetraining bei der Eintracht. Okyere stellte sich „einfach mal ins Tor. Das hat gut geklappt, aber mein Papa hat irgendwann gesagt, dass es keinen Sinn macht, da ich zu klein bin.“ Als Feldspieler, glaubt er, kann er der SG Bad Soden dennoch mehr helfen. Somit bleibt sein Einsatz wohl ein einmaliges Ding.

Nummer eins kehrt für Spitzenspiel zurück

Die Bewerbung Okyeres auf weitere Einsätze war laut Römmich aber bestens, weshalb der Trainer ohne Bauchschmerzen künftig auf dessen Dienste zurückgreifen wird. Für das anstehende Spitzenspiel gegen den OSC Vellmar (Samstag, 15.30 Uhr) soll allerdings eine andere Lösung her. Bei Büchner ist mittlerweile klar, dass am Knochen nichts kaputt ist und die Bänder ebenfalls in Ordnung sind. „Es ist wohl nur eine starke Prellung. Er hat noch Schmerzen, ein MRT steht aus“, sagt Römmich. Dass die etatmäßige Nummer eins Marco Aulbach in dieser Woche wieder ins Training einsteigt, dürfte Römmich Kopfschmerzen ersparen. „Sicher ist zudem, dass wir zwei Torhüter im Kader haben werden“, blickt der Coach zwinkernd voraus.

Auch interessant