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Paulowitsch-Brüder: B-Liga statt hessisches Oberhaus

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Tim (links) und Kevin Paulowitsch kicken künftig in der B-Liga. Fotos: Oliver Müller
Tim (links) und Kevin Paulowitsch kicken künftig in der B-Liga. © Oliver Müller

Nach Tim Paulowitsch (23) kehrt auch dessen älterer Bruder Kevin dem Verbandsligisten SG Bad Soden im Sommer den Rücken. Der 27 Jahre Allrounder wird sich seinem Heimatverein FSV Mernes (B-Liga Gelnhausen) als spielender Co-Trainer anschließen.

„Dieses Mernes-Gerücht begleitet uns doch jedes Jahr", sagte Sodens Sportdirektor Wladimir Römmich den Kinzigtal Nachrichten vor wenigen Wochen bezüglich eines Wechsels von Kevin Paulowitsch. Aus dem Gerücht ist nun Realität geworden. Die Beweggründe der Brüder sind unterschiedlicher Natur: Während es Tim missfallen haben dürfte, vom Stamm- zum Ersatzspieler degradiert worden zu sein, blickt Kevin Vaterfreuden entgegen und will den Fokus weniger auf Leistungssport und mehr auf das Familienleben legen. So oder so: Spieler mit regionalem Bezug zu verlieren, dürfte selbst die SG Bad Soden schmerzen.

Beide Paulowitschs wechseln also in die vier Klassen tiefere B-Liga. Bruder-Duelle sind trotz gleicher Spielklasse und räumlicher Nähe ausgeschlossen. Während Abwehrspieler Tim für den Schlüchterner B-Ligisten SV Marjoß kicken wird, ist der auf allen Positionen einsetzbare Kevin künftig für den Nachbarclub FSV Mernes aus dem Kreis Gelnhausen aktiv. Dass irgendwann beide, so wie in Bad Soden, wieder gemeinsam in einem Team auflaufen werden, ist freilich nicht auszuschließen.

„Es versteht sich für uns von selbst, dass der SV Marjoß keine Abwerbungsversuche unsererseits befürchten muss. Aber beide sind Merneser, also käme es nicht überraschend, wenn auch Tim irgendwann für den FSV spielt“, sagt der Merneser Trainer Tom Lingenfelder, der Tim Paulowitsch jahrelang in der Jugend trainierte, jedoch aktuell keinen Gedanken an diese Personalie verschwendet.

"Kevins Anwesenheit soll Schub verleihen"

Zu groß ist die Freude, dass es der Merneser Fußballfamilie gelungen ist, einen verlorenen Sohn für die eigene Sache gewinnen zu können. „Wir haben uns intensiv mit Kevin auseinandergesetzt und ihm dargelegt, welche Umstände er vorfinden wird. In Mernes muss nicht erst etwas aufgebaut werden, das Sportgelände und das Vereinsleben sind hochintakt. Die Trainingsbeteiligung ist groß, die Rahmenbedingungen sind dergestalt, dass sie eine Entscheidung pro FSV nicht gerade erschweren“, erläutert Lingenfelder.

Der 37-Jährige weiß allerdings auch um die potenziellen Gefahren. Schließlich ist Paulowitsch ein gestandener Verbandsligaspieler. Auf diesem Niveau kann der antrittsschnelle Vollblutfußballer noch einige Jahre spielen. Die SG Bad Soden steht vor dem Aufstieg in die Hessenliga, auch diese Klasse ist Paulowitsch zuzutrauen. Statt hessisches Oberhaus heißt die Wirklichkeit ab Sommer jedoch niederer Kreisligafußball. „Es wird eine Phase gegenseitiger Akklimatisierung geben, die hoffentlich schnell und reibungslos vonstatten geht“, sagt Lingenfelder: „Nicht ausgeschossen ist etwa, dass plötzlich der eine oder andere meint, er könne weniger machen, wenn plötzlich so ein starker Spieler wie Kevin mitspielt. Andererseits ist auch Kevin klar, dass er sich in einer exponierten Stellung befindet. Er soll sich natürlich nicht unter-, muss sich aber dennoch einordnen, denn Team und Verein, also das Kollektiv, stehen beim FSV über Einzelinteressen. Die Mannschaft ist und bleibt der zentrale Faktor.“

Auf jeden Fall hofft Lingenfelder, „dass Kevins Anwesenheit auf dem Platz nicht zuletzt Spielern, die Ende 20, Anfang 30 sind, noch einmal einen Schub verleiht“. Über eine Neuausrichtung der bislang meist eher bescheidenen sportlichen Ziele will man sich in Mernes erst Gedanken machen, wenn die aktuelle, im Moment unterbrochene Runde vorüber ist. Nach nur neun Punkten aus sieben Spielen dürfte es dem FSV schwerfallen, noch unter die ersten drei und damit in die Aufstiegsrunde zu kommen, der Abstieg sollte ebenfalls kein Thema werden. / oi

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