Seit heute 39 Jahre alt: Barockstadt-Trainer Florian Roth. Foto: Torgranate
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Seit heute 39 Jahre alt: Barockstadt-Trainer Florian Roth.

Roth will in sich gehen

Es wäre der ideale Zeitpunkt für den ersten Heimsieg gewesen. Doch aus dem Wunsch, Trainer Florian Roth seinen 39. Geburtstag zu versüßen, wurde nichts. Die zweite Mannschaft der SG Barockstadt II verlor gegen Türkgücü Kassel. Das 0:1 (0:1) war eine Niederlage der ganz bitteren Sorte.

Damit wird die Serie des Barockstadt-Nachwuchses immer skurriler. Denn das 0:1 war die sechste Heimniederlage im sechsten Spiel. Barockstadt II ist damit die schlechteste Heimelf der Liga, die seit nunmehr über einem Jahr (am 7. Oktober 2020 gab es ein 3:1 gegen Lichtenau) keinen Punkt mehr vor eigenem Publikum geholt hat. Dafür läuft es in der Fremde umso besser. Bis zum Sodener 5:0 am Samstag in Thalau war Barockstadt II die beste Auswärtsmannschaft der Liga.

"Das war eine maximal enttäuschende Leistung von uns. Meiner Meinung nach war das sogar das mit Abstand schwächste Saisonspiel gegen einen sehr schwachen Gegner. Solche Spiele musst du einfach gewinnen", haderte Barockstadt-Coach Florian Roth nachher.

Dabei hatten seine Mannen durchaus Geschenke parat. Das Problem an diesem Tag: Statt ihrem Trainer übergaben die Barockstädter die "Päckchen" schön verschnürt an Türkgücü. Da wären einerseits die vergebenen Möglichkeiten des ersten Abschnitts. So lenkte Türkgücü-Keeper Arslan einen Kocak-Schuss prima zur Ecke (12.), später vergab der schwache Zenuni kläglich (22.).

Bezeichnend war auch das Tor des Tages: Erst rannten sich zwei Fuldaer im Mittelfeld gegenseitig über den Haufen. Dadurch hatte Kassel freie Bahn. Linus Wittke musste hinterher und foulte den Gästespieler. Die Konsequenz: Rot wegen Notbremse und dazu Elfmeter. Enver Maslak verwandelte unhaltbar. Es passte ins Bild, dass Wittke gerade erst seine ersten Minute nach einer abgelaufenen Sperre mitwirken durfte.

"Das zieht sich ja wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. Jetzt haben wir schon wieder eine Rote Karte bekommen, haben wieder 60 Minuten zu zehnt gespielt. So langsam kommen wir an den Punkt, an dem ich mich auch als Trainer hinterfragen muss", war Roth deutlich angefressen.

Doch was will ein Trainer tun, wenn seine Elf immer wieder einfache Böcke reißt? "Ich werde jetzt erstmals ein paar Tage in Urlaub fahren. Dort werde ich mir ganz genau Gedanken machen, ob und wenn ja, wie es mit mir hier weitergehen kann. Fakt ist, dass ich unmittelbar nach einer solchen Leistung tatsächlich ratlos bin", so Roth.

Zu zehnt wurde es schwer, das Spiel danach auch schwach. Es unterliefen den Hausherren viel zu viele Stockfehler. Die Bälle waren zu lang und zu ungenau. Da Kassel so gut wie nichts mehr nach vorne tat, wurden Höhepunkte selten.

Was man der Barockstadt aber nicht absprechen konnte war der Wille das Spiel noch zu drehen. Der jungen Kerle versuchten alles, waren aber zu harmlos. Die beste Chance passte dann auch wieder ins Bild der Barockstadt. Erst traf Peter Liebermann nur den Pfosten und der Torjubel nach dem zweiten Ball von Zenuni erstickte im Keim. Statt auf 1:1 entschied der Referee auf Abseits.

Unschön war indes der Auftritt einzelner Kasseler Spieler. Das man einen Sieg feiert ist okay, den Gegner und seine Zuschauer auf dem Weg über die Tribüne aber als "Fuldaer Dreckspack" zu bezeichnen und zu jubeln, dass "wir euch die 200 Euro Siegprämie versaut haben", ist zu viel des Guten.

Die Statistik

SG Barockstadt II: Weisbäcker; Banh, Weitzel, Linus Wittke, Hartwig (83. Attabi), Vinojcic, Jakob, Liebermann, Kocak, (53. Queiros), Mulaj (46. Piechutta), Zenuni.
Türkgücü Kassel: Arslan; Ghafari, Maslak, Janek, Kwiedor, Özdemir (82. Eredzeb), Medeov (73. Aslan), Gjoci, Sukuma (85. Karaer), Kara, Eryilmaz.
Schiedsrichter: Tim Wiesner (SV Heddernheim).
Zuschauer: 70.
Tor: 0:1 Enver Maslak (36., Foulelfmeter).
Rote Karte: Linus Wittke (Barockstadt II) wegen einer Notbremse (35.).

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