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Vom „Dorfverein mitten in der Stadt“ in die Verbandsliga

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Von: Ralph Kraus

Romeo Andrijasevic hat noch einen großen Wunsch: Er will sich mit dem Klassenerhalt bei FT Fulda verabschieden.
Romeo Andrijasevic hat noch einen großen Wunsch: Er will sich mit dem Klassenerhalt bei FT Fulda verabschieden. © Charlie Rolff

Im Juni endet nach zehn Jahren die Ära von Romeo Andrijasevic als Trainer bei FT Fulda. Ab Juli wird nach Stationen in Lehnerz (Jugend), Bimbach, Müs, Künzell und FT die Britannia aus Eichenzell seine neue Aufgabe werden. Mit uns hat der 47-Jährige über Perspektiven, Ziele und Wünsche gesprochen.

FT ist für Sie eine Herzensangelegenheit, die nun auf die Zielgeraden abbiegt. Kommt schon so ein bisschen Wehmut auf?

Aktuell noch nicht. Wir haben einen Auftrag zu erfüllen, das ist der Klassenerhalt in der Gruppenliga. Da ist kein Platz für Sentimentalitäten.

Was macht FT als Verein so besonders?

FT ist ein Traditionsverein, der 1848 gegründet wurde und 1903 mit dem Fußball begonnen hat. Somit ist FT der älteste Verein und auch gleichzeitig die älteste Fußball-Abteilung der Stadt. Wir haben in diesem Jahr ein doppeltes Jubiläum. Unser Vereinsgelände liegt in der Stadt, trotzdem wird der Verein wie auf dem Dorf gelebt. Alles geht mehr in Richtung Gemeinschaft. Es ist ein Dorfverein mitten in der Stadt.

Wir haben die Mambo KingX als „Vereins-Band“, die für unglaubliche Momente gesorgt hat. Ich denke ganz oft an die Meisterfeiern, als die Mambos Kabinenkonzerte gegeben haben – sogar schon vor dem Spiel. Eine Band in der Kabine, das ist was Besonderes. Dazu richten wir seit 13, 14 Jahren die „Lange Nacht“ aus – selbst zu Coronazeiten haben wir diese Großveranstaltung unter den gegebenen Bedingungen durchgezogen. Alles in allem ist es einfach mehr als nur der Fußball.

Im Juli 2013 haben Sie FT im Mittelmaß der A-Liga übernommen. Wie würden Sie die Entwicklung rückblickend beschreiben?

Was vor meiner Zeit war, kann ich nicht sagen, weil ich nicht dabei war. Aber fußballerisch haben wir uns enorm entwickelt. Wir haben es geschafft, einen Traditionsverein wieder dahin zu bringen, dass er für viele gute Spieler attraktiv ist.

In dieser Saison haben Sie in 18 Spielen bereits 31 Spieler einsetzen müssen. Ausgerechnet in Ihrer letzten Spielzeit befindet sich der Verein sportlich in seiner schwierigsten Situation, seit Sie dabei sind. Warum ist das so?

Es gibt mehrere Komponenten. Einer der Gründe ist der Umbruch, den wir im Sommer vollzogen haben. Etliche junge Spieler sind gekommen, ein paar erfahrene Spieler und Stützen sind dafür weggebrochen und diejenigen, die in der vergangenen Runde das Gerüst auf dem Platz gebildet haben, haben oft gefehlt. Wir haben aber das Glück, dass wir noch ganz nah dran sind an den Nichtabstiegsplätzen.

Was macht Sie hoffnungsfroh für die nächsten Wochen und Monate?

Haben wir in der Rückrunde wieder das Gerüst der Spieler zusammen, das uns in der Hinrunde nur teilweise zur Verfügung gestanden hat, dann besitzen wir eine ganz andere Stabilität. Dann wird es für jede Mannschaft schwer uns zu schlagen. Durch die Situation, dass wir alle jetzt ein paar Monate Zeit hatten, um genau auf die Tabelle zu schauen und jetzt auch wirklich jeder weiß, wo wir stehen, und vielleicht auch durch den Schritt, dass ich den Verein im Sommer verlassen werde, führt das nun hoffentlich dazu, dass sich durch die besondere Situation alle zusammenreißen und sich dem Fußball so unterzuordnen, wie es leider in der ersten Saisonhälfte nicht immer der Fall war.

Zum Auftakt geht es gegen Kerzell (A), Hofbieber (H) und Hosenfeld (A). Werden diese drei direkten Duelle vorentscheidend?

Der Start ist sicherlich wichtig, aber auch danach sind noch elf Spiele zu absolvieren. Egal wie der Auftakt also läuft, ist noch in keine Richtung etwas entschieden. Das Gute ist, dass es gleich richtig losgeht und sich keiner eine Ruhephase gönnen kann oder gar erst später einsteigt. Jeder weiß um die Situation. Der Verein hat viel für die Spieler getan. Jetzt ist es Zeit, dass die Spieler etwas zurückgeben.

Helfen Sie FT bei der Suche nach Ihrem Nachfolger? Schließlich haben Sie ein besonderes Verhältnis zu den Verantwortlichen.

Da halte ich mich komplett raus, aber man bekommt natürlich einiges mit. Ich wünsche dem Verein, dass das gelingt, was er vor hat.

Im Sommer geht es für Sie in Eichenzell weiter. Jetzt hat sich Patrick Broschke in der Halle schwer verletzt. Denkt man da schon mit oder prallt das noch komplett an Ihnen ab?

Komplett abprallen tut das nicht, aber die Konzentration liegt zur Zeit noch woanders.

Mit welcher Prämisse wurde Ihnen Eichenzell schmackhaft gemacht? Womöglich mit dem Ziel Hessenliga oder gab es da noch etwas Anderes?

Es ging nicht darum, dass der Verein mir etwas schmackhaft machen musste. Sondern darum, wer die Möglichkeiten hat, mir die Perspektive zu geben, um meine Ziele umzusetzen. Ich freue mich, auf einem anderen Niveau trainieren zu können. Ich wollte unbedingt eine Klasse höher in die Verbandsliga.

Zudem freue ich mich mit Daniel Pfeiffer zusammenarbeiten zu können, der das Team im Athletikbereich fit machen wird. Daniel und ich kennen uns sehr lange, haben früher zusammen gespielt und ich glaube, dass wir beide ein Mehrwert für den Verein sein können. Das wird eine spannende Aufgabe und ich würde einfach gerne etwas entwickeln. Die Konstellation mit dem jungen Vorstand passt. Viele Dinge waren der Grundstein für mich, in Eichenzell zuzusagen.

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