Sören Gonnermann ist einer der Helden des SV Adler. Nach dem Spiel gegen CSC wurde er vom hr-fernsehen interviewt.
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Sören Gonnermann ist einer der Helden des SV Adler. Nach dem Spiel gegen CSC wurde er vom hr-fernsehen interviewt.

Weidenhausens Coup

Adler feiern den Titel: „Einfach unbeschreiblich“

Wer hätte das gedacht? Nicht der OSC Vellmar, nicht CSC 03 und schon gar nicht die SG Bad Soden. Am Ende triumphiert der SV Adler Weidenhausen und krönt sich zum Verbandsliga-Meister. Die Gründe dafür sind vielschichtig – und auf den ersten Blick gar nicht so offensichtlich.

„Ich glaube, dass das jetzt entscheidende Spiel gegen CSC 03 ganz treffend unsere Saison umschreibt. Wir haben es in der Defensive gewonnen, haben sehr kompakt und geschlossen nach hinten gearbeitet.“ Ein Satz, den man vom Trainer erwartet, gesagt hat ihn mit Jan Gerbig der beste Torjäger der Liga. Und er weiß genau: „Das haben wir in dieser Saison besser als in den Jahren zuvor gemacht.“

Unter Garantie ein Verdienst des Trainers Ronald Leonhardt, der sich genau das zum Ziel gesetzt hatte. Aber er kennt einen weiteren Schlüssel: „Die Konstanz hat uns letztlich zum Ziel geführt. Wir waren immer fokussiert. Ganz egal, wo wir hingefahren sind.“ Dieser Aussage gibt die Statistik recht, denn Weidenhausen hatte, wie auch Leonhardt sagt, vor sechs Wochen kaum jemand auf dem Zettel. Vellmar oder CSC und vielleicht noch Bad Soden. Aber Weidenhausen? Eher nicht! Doch Weidenhausen hat nach dem Winter kein Spiel verloren und liegt in der Rückrundentabelle acht Punkte vor Barockstadt II, Vellmar und den Nulldreiern. Bad Soden holte gar noch einen Punkt weniger.

Wir haben so viele Jahre versucht, bis zum Schluss ganz oben dabei zu sein. Jetzt endlich haben wir es geschafft.

Sören Gonnermann

Vereinslegende Sören Gonnermann, immerhin 25 Saisontore und damit drei weniger als Gerbig, stellte sich gestern einmal mehr in den Dienst der Mannschaft und biss nach einer ganz früh im Spiel erlittenen Zerrung auf die Zähne. Er war nach dem Spiel völlig angefasst und hochemotional. Oft hätte er den Verein verlassen können, immer blieb er den Adlern treu. „Ich habe in den letzten Wochen überhaupt nicht an die Hessenliga gedacht. Wir sind sehr gut damit gefahren, uns wirklich nur auf das nächste Spiel zu konzentrieren“, erklärte Gonnermann, der versucht hat, den Aufstieg einzuordnen: „Das ist historisch. Ohne Frage. Ich glaube, dass wir uns gerade auf die ersten Spiele in der neuen Liga richtig freuen dürfen. Das Ganze ist einfach unbeschreiblich.“

900-Einwohner-Dorf entert Hessenliga

Und viele werden noch einige Wochen benötigen, dies zu verarbeiten. So wie Teammanager Stefan Stederoth, der nach Spielende kaum ansprechbar war. Er, der den Verein wie so viele andere vorbildlich lebt, war schlichtweg sprachlos. Das konnte man während des Spiels nicht von den Fans nicht behaupten: Vorsänger Vinni peitschte die Hartgesottenen unter den 1600 Zuschauern immer wieder mithilfe eines Megafons an.

1600 Zuschauer. Weidenhausen hat rund 900 Einwohner. Die Hessenliga darf gespannt sein auf ein fußballverrücktes Dorf. Doch vorher wird gefeiert. Lange. Ganz lange. „Wir fliegen nach der Saison nach Malle. Mal sehen, wer danach noch stehen kann“, sagte Gerbig, lachte und verabschiedete sich Richtung Theke.

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