1. torgranate
  2. Verbandsliga
  3. Verbandsliga Süd

Unterschiedliche Ambitionen bei Rot-Weiss und Oberrad

Erstellt: Aktualisiert:

Gültekin Cagritekin ist seit zwei Jahren Trainer der Spvgg. Oberrad. Foto: Torgranate
Gültekin Cagritekin ist seit zwei Jahren Trainer der Spvgg. Oberrad. © Torgranate

In der Verbandsliga Süd steht am Sonntag (16.45 Uhr) ein Frankfurter Stadtduell auf dem Programm. Die Spvgg. 05 Oberrad empfängt Rot-Weiss Frankfurt. Eine besondere Rivalität zwischen beiden Clubs besteht nicht, aber bemerkenswert ist es schon, dass das letzte Punktspiel dieser Vereine bereits mehr als sechs Jahre zurückliegt. In der Saison 2015/16 vertraten nämlich beide Clubs den Fußballkreis Frankfurt in der Hessenliga.

Man schrieb den 17. August 2015 und es war ein lauer Montagabend im Sommer, als Oberrad gegen Rot-Weiss Frankfurt vor eigenem Publikum mit 0:5 unterging. Schon zu Saisonbeginn zeichnete sich ab, dass das zweite Hessenliga-Jahr des kleinen Stadtteilvereins aus Oberrad das letzte sein würde. 2014 waren die 05er erstmals in Hessens Beletage aufgestiegen und hatten unter der Regie von Aufstiegstrainer Mustafa Fil in der ersten Saison den Klassenerhalt geschafft. Im zweiten Jahr gelang dies nicht mehr, denn zu gering war der finanzielle Etat, um dauerhaft im Konzert der Großen mitspielen zu können. Andre Fließ (2), Cem Kara (2) und Ko Sawada trafen für die "Roten" an jenem Abend, die damals noch vom heutigen FC Gießen-Trainer Daniyel Cimen trainiert wurden. Unter der Präsidentschaft von Ottmar Klauß wurde der Aufstieg in die Regionalliga angestrebt, zweimal nahm Rot-Weiss an der Aufstiegsrunde teil und scheiterte knapp. Nach dem zweiten Versuch brach die erfolgreiche Mannschaft auseinander, Trainer Cimen ging zwei Monate später zu Watzenborn-Steinberg (dem Vorgängerverein des FC Gießen).

Später schrieb der Club noch bundesweite Schlagzeilen wegen der Verpflichtung von Ex-Nationalspieler Mario Basler, der nur zwei Monate blieb. Am Ende der Saison 2017/18 stand der Abstieg in die Verbandsliga Süd fest und seitdem ist der Kreis Frankfurt nicht mehr in der Hessenliga vertreten. Wie haben sich die Clubs seit ihrem Abstieg entwickelt und was haben sie kurz- oder mittelfristig vor? Am Ende der Saison 2015/16 standen sich Oberrad und Rot-Weiss noch einmal im Kreispokal-Finale gegenüber, welches die Oberräder auf neutralem Platz mit 5:2 gewannen. Danach trennten sich ihre Wege. Ohne den langjährigen Erfolgscoach Fil (trainiert heute den Gruppenligisten Germania Klein-Krotzenburg) wurden die 05er über die Zwischenstation Verbandsliga bis in die Gruppenliga durchgereicht. Hier musste der Club drei Anläufe unternehmen, um am Ende der ersten Corona-Saison 2019/20 über die Quotientenregelung den Wiederaufstieg zu schaffen. Auch Rot-Weiss musste nach dem Abstieg 2018 damit leben, erstmal kleinere Brötchen zu backen.

Oberrad will sich in der Verbandsliga etablieren - Rot-Weiss zurück in die Hessenliga

Zwar kam mit Slobodan Komljenovic noch ein ehemaliger Bundesligaspieler als Trainer, aber mit den Platzierungen 9, 14 und 11 war Rot-Weiss zeitweise sogar der Gruppenliga ganz nah. Mit Nachfolger Siar Daudi wurde dann der U19-Hessenliga-Trainer nach oben befördert, denn die Jugend ist das Faustpfand des Vereins. Die U19 und U17 spielen Hessenliga, die U15 sogar als Regionalligist in der höchsten Klasse. Aus dem Abstiegsjahr sind nur noch Torhüter Daniel Duschner und Patrick Gürser für die "Roten" am Ball, während in Oberrad Spieler wie George Worcester, Timo Becker, Todi Vasilev oder Robert Kazmierczak dem Verein über die Jahre hinweg die Treue gehalten haben. Zudem kehrte Stürmer Kaan Köksal nach Gastspielen beim SC Hanau 1960 und dem SV Zeilsheim letztes Jahr an die Beckerwiese zurück. Letztes Jahr spielten beide Vereine übrigens schon wieder gemeinsam Verbandsliga, trafen aber coronabedingt nicht aufeinander. In diesem Jahr stehen Oberrad und Rot-Weiss derzeit im Mittelfeld des Klassements, es trifft der Achte auf den Neunten.

Mit Gültekin Cagritekin wurde in Oberrad vor zwei Jahren ein Trainer verpflichtet, der schon zur Hessenliga-Zeit für den Club arbeitete und das Umfeld genau kannte. Präsident Stefan Uhl macht deutlich: "Ziel ist die Weiterentwicklung, wir wollen Strukturen schaffen und uns wettbewerbsfähig für die Zukunft machen." Dazu gehört, dass sich die erste Mannschaft in der Verbandsliga etabliert: "Wir sind erst im zweiten Jahr wieder da. Es geht bei uns nicht um den kurzfristigen Erfolg, sondern wir planen langfristig." Bei Rot-Weiss hat man höhere Ziele, denn Präsident Ersan Dincer macht keinen Hehl daraus, dass "wir von der Vereinsstruktur her in die Hessenliga gehören. Das würde dem Umfeld und der Jugendabteilung guttun." Nach einem klassischen Fehlstart konnte Rot-Weiss zuletzt vier Siege in Folge erzielen, verpflichtete kürzlich den 35-jährigen Routinier Jonas Grüter (zuletzt FV Bad Vilbel). Ob es diese Saison schon zum großen Wurf langt? Eher nicht, denn die im vorderen Bereich stehende Konkurrenz vom JSK Rodgau, den Odenwälder Vereinen SV Unter-Flockenbach und Eintracht Wald-Michelbach oder dem immer ambitionierten SC 1960 Hanau ist nicht nur finanzkräftiger, sondern auch sportlich konstanter.

Auch interessant